Zwingli trägt heute pink

Eine Gruppe von reformierten Pfarrerinnen und Personen aus dem kirchlichen Umfeld wollte am Internationalen Frauentag ein Zeichen für die Gleichstellung setzen. Dazu kleideten sie kurzerhand die Zwingli-Statue beim Zürcher Rathaus neu ein.

Pfarrerinnen und Personen aus dem kirchlichen Umfeld singen vor dem Grossmünster den Protestsong «I can't keep quiet».
Pfarrerinnen und Personen aus dem kirchlichen Umfeld singen vor dem Grossmünster den Protestsong «I can't keep quiet». (Bild: Roshan Adhihetty)

Mehr als 60 Personen waren dem Aufruf von verschiedenen Pfarrerinnen gefolgt: In einem bunten Umzug marschierten sie am Mittwochmorgen vom Zürcher Grossmünster bis zum Zwingli-Denkmal beim Rathaus. Als Höhepunkt der Aktion, die im Rahmen des Internationalen Frauentags stattfand, wurde der Zwingli-Statue mithilfe eines Hebekrans eine rosa Schärpe und eine rosa Katzenmütze aufgesetzt. Diese ist in den vergangenen Wochen zum globalen Symbol für die neue Frauenbewegung geworden.

Unter den Marschierenden mit den rosa Herzballonen und den «Pussyhats» waren auch eine Reihe von Pfarrpersonen in ihrer Amtskleidung. Die Talarträgerinnen mit den handgestrickten Mützen sorgten für neugierige Blicke von Passanten. Bei der Hintertreppe des Grossmünsters und vor dem pinkgewandeten Zwingli sang die Gruppe den Protestsong: «I can’t keep quiet», der am Weltfrauentag an vielen Orten der Erde an Frauenmärschen gesungen wird.

Ziele der Frauenbewegung sind auch Ziele der Kirche

Der Umzug war Teil der weltweiten Bewegung «We can’t keep quiet», die in der Schweiz von mehr als 60 Institutionen getragen wird. Die meisten Teilnehmenden hatten über soziale Medien davon  erfahren. So etwa Pfarrerin Ursula Vock, die aus dem Aargau angereist war: «Mich freut es, wenn Frauen in der Kirche sichtbar und laut werden.» Auch einige Männer nahmen am Umzug teil. Theologiestudent Michael Goldberg etwa entschied sich spontan, mit einigen Kommilitoninnen bei der «tollen Aktion» mitzumachen.

Für Mitinitiantin Sibylle Forrer geht es darum, als Institution Kirche ein Zeichen zu setzen. Die Ziele der Frauenbewegung seien auch jene der Kirche: «Freie Entfaltung und gleiche Rechte für alle Menschen jenseits von Geschlecht, Rasse oder Herkunft sind auch für die Kirche zentrale Werte», sagte sie gegenüber ref.ch.

Zwingli bleibt bis auf Weiteres pink

Neben der Solidarisierung mit der weltweiten Kampagne gehe es in der Aktion aber auch darum, sich für die Gleichstellung innerhalb der eigenen Reihen stark zu machen. «Wir stehen in unmittelbarer Nähe von drei ‹Prestigekirchen›. Wie gross ist die Frauenquote bei den Pfarrpersonen? Null», sagt Forrer.

Ob Zwingli sich selber über die Aktion gefreut hätte, muss dahingestellt bleiben. Sibylle Forrer ist aber überzeugt: «Es ist ganz im Sinn der Reformation, die Stimme zu erheben und gegen Ungerechtigkeit aufzustehen.» Sie gibt sich zufrieden mit dem Anlass. Solange die Stadt Zürich nicht aktiv wird, trägt Zwingli bis auf Weiteres pink.