Zwingli-Film gewinnt Spezialpreis der Akademie am Schweizer Filmpreis

Der Schweizer Film Zwingli ist am Schweizer Filmpreis für das beste Kostüm sowie das beste Szenenbild ausgezeichnet worden. Für eine Überraschung sorgte der Film Ceux qui travaillent. Er wurde als bester Spielfilm, für das beste Drehbuch und die beste Darstellung in einer Nebenrolle geehrt.


Der Film Zwingli des Schweizer Regisseurs Stefan Haupt durfte sich am Schweizer Filmpreis 2019 über eine Auszeichung in der Kategorie Spezialpreis der Akademie freuen. So wurden Monika Schmid für das beste Kostüm und Su Erdt für das beste Szenenbild geehrt.

Grosser Abräumer des Abends war der Film Ceux qui travaillent von Antoine Russbach. Er wurde als bester Spielfilm, für das beste Drehbuch und die beste Darstellung in einer Nebenrolle geehrt.

Im Gewinnerdrama des Westschweizer Filmemachers geht es um Frank, der sein Leben der Arbeit widmet, gefeuert wird und sich tief erschüttert am letzten Strohhalm, der Beziehung zu seiner jüngsten Tochter, festhält.

Im Bankenviertel spioniert

Einen Film zu machen, sei oft riskant und immer unsicher, sagte Regisseur Antoine Russbach dem Publikum am 22. März im Bâtiment des forces motrices in Genf. Umso mehr freue er sich über die Preise. Auf seine Liebe zum Detail angesprochen, erzählte er, die Crew habe zur Vorbereitung im Bankenviertel Leute fotografiert. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass die einen oder anderen dachten, wir betreiben Wirtschaftsspionage.» Es sei ihnen aber lediglich um die Kleidung der Geschäftsleute gegangen.

Mit diesem Gewinn in der Königskategorie war die Niederlage des grossen Favoriten Wolkenbruch endgültig besiegelt. Die Komödie von Michael Steiner war in fast allen wichtigen Sparten nominiert – Bester Spielfilm, Bestes Drehbuch, Bester Darsteller und gleich doppelt in der Kategorie Beste Darstellung einer Nebenrolle. Was dem Film aber keiner mehr nehmen kann, ist der Titel «erfolgreichster Schweizer Film des Jahres 2018».

Der Onkel hat’s geschafft

Und das nicht unwesentliche Trostpflaster: Joel Basman wurde für seine Rolle als Motti in Wolkenbruch zum besten Schauspieler gekürt. Der Zürcher kam aus dem Danken nicht mehr heraus. «Danke Steini», richtete er sich an den Regisseur Michael Steiner, weitere Mercis gingen an die Mitnominierten Max Simonischek (Zwingli) und Max Hubacher (Der Läufer), seine Filmmutter und «zweite Mamme», die österreichische Schauspielerin Inge Maux – und er grüsste seinen vierjährigen Neffen, zu dem er ein enges Verhältnis pflegt, wie er Keystone-SDA kurz vor der Nominierung erzählt hatte. «Schau, dein Onkel hat’s geschafft.»

Beste Schauspielerin des Jahres wurde Judith Hofmann. Sie spielt in Der Unschuldige die Rolle der Ruth, deren wegen Mordes verurteilter Ex-Freund nach zwanzig Jahren Gefängnis frei kommt. Der Dreh sei «kein Zuckerschlecken» gewesen, doch sie würde die Rolle immer wieder spielen, sagte sie beim Entgegennehmen der Trophäe. Ausserdem sprach sie «ein Hoch auf den Autorenfilm» aus. Der Film von Simon Jaquemet war ausserdem als bester Spielfilm, für das beste Drehbuch und die beste Kamera nominiert.

Als beste Nebendarstellerin wurden nicht die Wolkenbruch-Schauspielerinnen Sunnyi Melles und Noémie Schmidt, sondern Pauline Schneider für ihre Rolle als Hilde in Ceux qui travaillent ausgezeichnet. Weil diese an dem Abend auf der Theaterbühne stand, drückte sie ihre Freude via Videobotschaft aus.

Preisregen für ein Monstrum

Als weiterer grosser Abräumer wurde Chris the Swiss von Anja Kofmel gefeiert, die Geschichte um einen Schweizer Journalisten, der im Jugoslawienkrieg zu Tode kam. Die Mischung aus Animation, Dokumentation und Fiktion erhielt in allen Sparten, in denen der Film nominiert war, einen Quartz.

Die Ehrungen kamen in einem wahren Reigen daher. Nach Stefan Kälin (Beste Montage), der Chris the Swiss als «Monstrum, komplex auf verschiedenen Ebenen» bezeichnete, wurde Marcel Vaid der Quartz für die Beste Filmmusik überreicht. Der Film habe ihn sowohl als Musiker wie auch als politischer Mensch gestärkt, sagte Vaid in seiner Dankesrede.

Als Krönung nahm Anja Kofmel den Preis für den Besten Dokumentarfilm entgegen. «Wow, das ist eine grosse Ehre», sagte die Filmemacherin. Das Werk sei in der Tat ein Monstrum, doch «es gibt Geschichten, die einfach raus müssen». Das Thema des Films sei aktueller denn je – und Chris the Swiss ein Antikriegsfilm.

Auf Wiedersehen in Zürich

Bereits im Vorfeld bekannt war die Gewinnerin des Ehrenpreises: Beki Probst. Die Bernerin führte die Berner Arthouse-Kinokette Quinnie, wirkte an zahlreichen weltweiten Fimfestivals mit und gründete den Branchentreff European Film Market. Bereits an der Berlinale 2018 war Probst mit einem Ehrenpreis, der Berlinale Kamera, ausgezeichnet worden.

Die Schweizer Filmpreise wurden zum 22. Mal verliehen. Über die Nominierten und die Gewinner bestimmt die Schweizer Filmakademie, ausgerichtet und finanziert wird die Veranstaltung vom Bundesamt für Kultur. Die Gewinnerfilme beziehen sich jeweils auf das vergangene Jahr. Seit 2013 findet die Gala abwechselnd in der Romandie und der Deutschschweiz statt. Austragungsort im nächsten Jahr ist wieder Zürich. (bat/sda)