Zürcher Kirchenrat: Sprengkandidatin sorgt für rote Köpfe

Esther Straub von der Religiös-Sozialen Fraktion war als Zürcher Kirchenratskandidatin gesetzt. Dann portierte - angeblich geheim - eine Gruppe um den Pfarrer Willi Honegger von der Evangelisch-Kirchlichen Fraktion Marlies Petrig ebenfalls als Kandidatin. Diesen Schachzug kritisieren nun die zwei jüngsten Synodenmitglieder in einem offenen Brief.

Wie gross die Chancen der Sprengkandidatin Marlies Petrig für eine Wahl in den Kirchenrat sind, wird sich bei der Wahl am 15. September im Zürcher Rathaus zeigen. (Bild: Wikimedia)

Die Anlage ist wunderlich, aber rasch erklärt: Von den zwei Sitzen im Kirchenrat, die am 15. September neu vergeben werden, steht einer unbestritten der Religiös-Sozialen Fraktion zu. Diese schickte ihr Mitglied Esther Straub ins Rennen. Straub ist Theologin mit Doktortitel, Pfarrerin und SP-Kantonsrätin. Nun hat gemäss der Zeitung «reformiert.» vom 31. Juli eine Gruppe um den Synodalen und Pfarrer Willi Honegger von der Evangelisch-Kirchlichen Fraktion mit Marlies Petrig eine Sprengkandidatin lanciert. Seltsam dabei: Petrig sagte gegenüber «reformiert.», dass sie sich der Religiös-Sozialen Fraktion zugehörig fühle – also just jener von Kandidatin Straub. Dass die Religiös-Soziale Fraktion allerdings Petrig aufnehmen könnte, ist für deren Präsidenten Matthias Reuter ein «absolutes No-Go».

Die Furcht vor einer Pfarrmehrheit in der Exekutive

Aus den einzelnen Fraktionen kommen unterschiedliche Signale, was das Ränkespiel um die Kirchenratskandidaturen betrifft. Klar äussert sich Wilma Willi, Präsidentin des Synodalvereins. Gegenüber der Zeitung sagt sie, dass sie Petrig portiere. Thomas Maurer von der Liberalen Fraktion wiederum lässt sich entlocken, dass er die neue Wahlmöglichkeit unterstütze – portieren möchte er deswegen Petrig nicht. Petrigs Kandidatur ermöglicht überhaupt erst einen eigentlichen Wahlkampf: Acht Kandidaten kämpfen dann um die sieben Sitze.

Doch was treibt Honegger an, eine Sprengkandidatin zu lancieren? Der Grund ist in seiner Motion zu finden, die ein Verbot einer Pfarrmehrheit in der Kirchenordnung verlangte. Sie wurde von der Synode abgelehnt. Mit Esther Straub würde die Pfarrschaft im Kirchenrat die Mehrheit stellen, mit Marlies Petrig nicht.

Die jüngsten Synodale kritisieren «intransparente Ränkespiele»

In die ganze Debatte eingeschaltet haben sich nun auch die beiden jüngsten Synodale, Katja Vogel (Synodalverein) und Manuel Amstutz (Religiös-Soziale Fraktion). Im offenen Brief vom 4. August zeigen sie sich «höchst irritiert», was die Sprengkandidatur betrifft. Wenn eine unüberschaubare Gruppierung ohne Absprache eine wilde Kandidatur lanciere, sei das «äusserst problematisch». Auch könne ein Kirchenrat ohne Fraktion nicht arbeiten. Die «intransparente Ränkespiele» würden mutwillig die politische Kultur der Synode gefährden. Die Bedenken, dass eine Pfarrmehrheit im Kirchenrat zu einer «im Alleingang» von Pfarrern geleitete Kirche enden würde, stellen gemäss Vogel und Amstutz eine «populistische Verkürzung» dar. Auch sei die abgelehnte Motion, welche die Pfarrmehrheit im Kirchenrat verbieten wollte, ein klares Signal der Synode. Dieser Entscheid dürfe jetzt nicht «auf dem Schleichweg» umgestossen werden.

 

 


Der Kirchenrat und seine Wahl

Am 15. September werden fünf Bisherige und drei neue Kandidaten um die insgesamt sieben Sitze im Zürcher Kirchenrat kämpfen. Der Kirchenrat ist die Exekutive der Landeskirche und wird von der Synode gewählt. Nach den Sommerferien werden die einzelnen Fraktionen in der Synode mittels sogenannten Hearings entscheiden, welche Kandidaten sie unterstützen.