Erdbeben

Zahl der Toten in Haiti steigt an

Nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti werden immer mehr Tote geborgen – nun drohen auch noch Regenfälle und ein Tropensturm die verzweifelte Suche nach Überlebenden zu erschweren. Kirchliche Hilfswerke prüfen Nothilfe-Massnahmen.

1297 Tote meldete Haitis Zivilschutz am Sonntagabend (Ortszeit) auf Twitter. Befürchtet wird eine noch höhere Zahl, weil Tausende Gebäude zerstört wurden. Menschen wurden unter eingestürzten Wohnhäusern, Hotels, Schulen, Kirchen begraben. Bergungsarbeiten und Hilfsmassnahmen sind nach dem Erdbeben vom 14. August angelaufen.

Zuvor hatte der Leiter des Zivilschutzes, Jerry Chandler, von mindestens 724 Toten berichtet. Mehr als 5700 Menschen wurden verletzt, wie die Zeitung «Le Nouvelliste» unter Berufung auf den Zivilschutz berichtete. Rund 13’700 Häuser wurden demnach zerstört und ebenso viele beschädigt.

Haiti befindet sich weiter in Alarmbereitschaft, die nächste Gefahr steht möglicherweise bereits bevor: Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami stufte Tropensturm «Grace», der sich Haiti näherte, zwar herab. Es sagte aber heftigen Regen für den Karibikstaat am Montag vorher, was die Rettungsarbeiten weiter beeinträchtigen könnte.

Menschen flohen ins Freie

Das Beben, dessen Stärke die US-Behörde USGS mit 7,2 angab, hatte sich am Samstagmorgen rund zwölf Kilometer von der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud ereignet. Bei vielen teils starken Nachbeben verbrachten zahlreiche Menschen nach Berichten in sozialen Medien die Nacht auf Sonntag im Freien. Krankenhäuser waren überlastet. Im Innenhof eines Hospitals in Jérémie, einer der am meisten betroffenen Städte, warteten Verletzte in Zelten auf ihre Behandlung, wie in einem Video in sozialen Netzwerken zu sehen war. Strassen waren nach Erdrutschen versperrt.

Die internationale Gemeinschaft hat derweil ihre Hilfe angekündigt. UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, er habe mit grosser Betroffenheit von den tragischen Verlusten an Menschenleben erfahren. Die Vereinten Nationen unterstützten die Bemühungen der Regierung, den von dem Erdbeben Betroffenen zu helfen. Auch Papst Franziskus äusserte Anteilnahme: «Ich möchte meine Nähe zu diesen liebenswerten Einwohnern zum Ausdruck bringen, die so hart von dem Erdbeben getroffen wurden», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag in Rom.

Kirchliche Hilfswerke prüfen Nothilfe

Auch die kirchlichen Hilfswerke Heks und Caritas Schweiz leiten derzeit Hilfsmassnahmen für das Land ein. Man prüfe alle Möglichkeiten, um der schwer geprüften Bevölkerung Haitis Nothilfe zu leisten, teilte Heks mit. Laut Caritas Schweiz benötigen die Menschen insbesondere Zelte und Planen, Lebensmittel, Kleidung, Hygienekits sowie Trinkwasser.

Teile des armen Karibikstaats waren bereits im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben verwüstet worden. Im Zentrum des Bebens lag damals Haitis dicht besiedelte Hauptstadt Port-au-Prince. 222’000 Menschen starben, mehr als 300’000 wurden verletzt. Mehr als eine Million Menschen verloren ihr Zuhause. Auch politisch ist die Lage äusserst angespannt – erst Anfang Juli war Staatspräsident Jovenel Moïse in seiner Residenz ermordet worden. (sda/no)