Amnesty International

Zahl der Hinrichtungen weltweit deutlich gestiegen

2023 gab es mit über 1150 registrierten Hinrichtungen weltweit so viele wie zuletzt 2015. Knapp drei Viertel davon entfielen auf den Iran.

Die Zahl der Hinrichtungen weltweit hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Amnesty International dokumentierte nach eigenen Angaben für 2023 mindestens 1153 Exekutionen in 16 Ländern. Das sei die höchste Zahl gerichtlicher Hinrichtungen seit 2015, heisst es im jüngsten Bericht zur weltweiten Anwendung der Todesstrafe. Im Vorjahr 2022 hatte die Menschenrechtsorganisation etwas mehr als 880 vollstreckte Todesurteile gezählt. Auch die Zahl der weltweit neu verhängten Todesurteile stieg 2023 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent.

Für den extrem hohen Anstieg der Hinrichtungen sind laut Amnesty nur wenige Länder verantwortlich. Fast drei Viertel entfielen demnach auf den Iran, ein Anstieg zum Vorjahr um knapp 50 Prozent. Häufig sei es dabei um Drogendelikte gegangen, die nach internationalem Recht nicht mit der Todesstrafe geahndet werden dürften. Die Exekutionen hätten zudem unverhältnismässig oft die ethnische Minderheit der Belutschen betroffen.

Auch die USA und Somalia vollstreckten mehr Todesurteile. In Afrika südlich der Sahara stiegen zudem die registrierten Todesurteile laut Amnesty um rund 65 Prozent.

In Saudi-Arabien sank die Zahl der Hinrichtungen leicht, dennoch war das Land für 15 Prozent der weltweiten Hinrichtungen verantwortlich. Sechs Exekutierte waren Frauen. Saudi-Arabien ist laut Amnesty ausserdem das einzige Land, das im vergangenen Jahr zum Tode verurteilte Menschen enthaupten liess. Auch hier seien Todesurteile für Taten wie Entführungen und Vergewaltigung gefällt worden, für die nach internationalem Recht keine Hinrichtung verhängt werden dürfe. Harte Strafen drohen auch Regierungskritikern. So wurde im Juli 2023 der pensionierte Lehrer Mohammad al-Ghamdi für regierungskritische Social-Media-Posts zum Tode verurteilt.

Amnesty geht zudem von Tausenden weiteren geheimen Hinrichtungen in China, Nordkorea und Vietnam aus. In China werde die Bevölkerung in den Medien regelmässig daran erinnert, dass Straftaten wie Drogenhandel und Bestechung mit dem Tode bestraft werden können. Nordkorea habe ein neues Gesetz eingeführt, wonach Menschen, die nicht Koreanisch sprechen, zum Tode verurteilt werden können.

Zugleich verabschiedeten sich laut Amnesty immer mehr Länder von der grausamen Praxis der Todesstrafe. In Belarus, Japan, Myanmar und dem Südsudan, die 2022 noch Todesurteile vollstreckt haben, seien 2023 keine Hinrichtungen mehr erfasst worden. Bis heute hätten 144 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Amnesty setze sich weiterhin dafür ein, dass kein Mensch mehr Opfer staatlicher Exekutionen wird. (epd/ pef)