70 Jahre «Wort zum Sonntag»

Kurze Sendung mit langem Atem

Das «Wort zum Sonntag» gehört zum festen Inventar des Schweizer Fernsehens. Vor 70 Jahren wurde es zum ersten Mal ausgestrahlt und hat sich bis heute gehalten. Ein paar Schlaglichter zum Jubiläum.

Ein Bild aus den Anfangszeiten: Der Fernsehpionier Walter J. Ammann (Mitte) war unter anderem für die Produktion des «Wort zum Sonntag» sowie die Übertragung von Gottesdiensten verantwortlich. (Bild: Eric Bachmann / SRF)

Wie alles begonnen hat

Der 20. Juli 1953 war die Geburtsstunde des Schweizer Fernsehens: An diesem Tag flimmerten aus dem Studio Bellerive in Zürich die ersten Bilder in die Schweizer Stuben. Auch die Kirchen wollten das neue Medium nutzen. Unter dem Titel «Zum heutigen Sonntag» startete schon im Jahr darauf, am 6. Juni 1954, ein zehnminütiges Format mit religiösem Inhalt. Als erster Sprecher war der reformierte Pfarrer Kurt Naef zu sehen.

Erst vier Jahre später bekam die Sendung ihren heutigen Namen. Noch weitere 22 Jahre dauerte es, bis sie ihren fixen Sendeplatz zwischen «Tagesschau» und Samstagabend-Unterhaltung erhielt.

Bis heute ist sich das Konzept gleich geblieben: Kirchenleute kommentieren gesellschaftliche Entwicklungen aus christlicher Sicht. Gedreht wird meist im Studio, alles ist möglichst schlicht gehalten. Lediglich bei der Redezeit mussten Abstriche gemacht werden: Gerade mal vier Minuten stehen den aktuellen Sprecherinnen und Sprechern noch zur Verfügung.

Darüber wurde geredet

Trotz des eher biederen Formats: Das «Wort zum Sonntag» sorgte in seiner siebzigjährigen Geschichte immer wieder für Unterhaltung, Aufregung und Empörung. Zu den Highlights gehörten etwa die Auftritte des Obdachlosen-Pfarrers Ernst Sieber: Im Januar 1980 trat Sieber im Schneegestöber mit seinem Esel vor die Kamera und sprach über Menschlichkeit in materialistischen Zeiten. Unkonventionell war auch der Auftritt der späteren Zürcher Kirchenrätin Irene Gysel, die eines ihrer «Worte» im Neoprenanzug auf dem Surfbrett sprach.

Einzelne Ausgaben warfen in der Öffentlichkeit hohe Wellen. Für viel Aufmerksamkeit sorgte 2008 ein Beitrag der katholischen Theologin Monika Schmid. In ihrem «Wort zum Sonntag» kritisierte Schmid das zögerliche Vorgehen der katholischen Kirche gegen pädophile Priester. Übergriffige Priester würden in der Regel nur versetzt, sagte sie. Dagegen müssten Priester, die in einer gesunden Beziehung lebten, sofort ihr Amt niederlegen. Das brachte Schmid einen Verweis von Bischof Vitus Huonder, später aber auch den Herbert Haag-Preis für Freiheit in der Kirche ein.

Dass Kirche und Politik ein heikles Thema ist, machte auch ein «Wort zum Sonntag» des reformierten Pfarrers Res Peter klar. 2011 sprach sich Peter kurz vor der Lancierung einer entsprechenden Volksinitiative in der Sendung für die Erbschaftssteuer aus. Daraufhin hagelte es Kritik. Der Ombudsmann der SRG musste gleich acht Beanstandungen zurückweisen, die kritisierten, die Sendung werde für politische Propaganda missbraucht.

Das waren die Spitzenreiter

Als der reformierte Pfarrer Simon Gebs am 21. März 2020 zum Fernsehpublikum sprach, befand sich die Schweiz mitten im Krisenmodus. Wenige Tage zuvor hatte der Bundesrat wegen der Corona-Pandemie den Notstand ausgerufen. Geschäfte und Lokale mussten schliessen, Veranstaltungen wurden verboten. Gebs rief dazu auf, in diesen schwierigen Zeiten Gottvertrauen zu haben und sich solidarisch zu zeigen. «Ich bin überzeugt, das Reservoir von Rücksichtnahme und gegenseitiger Unterstützung ist riesig.»

Rund 600'000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die Sendung, ein Rekordwert in neuerer Zeit. Ähnliche gute Zahlen erreichte nur noch ein Beitrag des katholischen Theologen Urs Corradini über den Wert von Arbeit– ebenfalls mitten in der Corona-Pandemie.

Inzwischen sind die Rekord-Einschaltquoten aus der Corona-Zeit Vergangenheit. Wie alle Religionssendungen muss auch das «Wort zum Sonntag» um Aufmerksamkeit kämpfen. Immerhin durchschnittlich 257'000 Zuschauerinnen waren es im vergangenen Jahr noch. Wie viele davon tatsächlich der Pfarrperson lauschten oder die Zeit zwischen «Tagesschau» und Unterhaltung nutzten, um zum Kühlschrank zu gehen oder die Katze zu füttern, ist allerdings nicht belegt.

Mit Material von SRF.

Die SRF-Sendung «Wort zum Sonntag» entsteht in Zusammenarbeit mit den Reformierten Medien, die auch das Nachrichtenportal ref.ch betreiben.