ref.ch: Warum wurde die Zürcher Kirche an den Katharina-Tag eingeladen?
Irene Gysel: Zürich ist seit ein paar Monaten offiziell «Reformationsstadt Europas». Die Einladung kam über die Schweizer Botschaft in Berlin, weil die Schweiz heuer Gastland in Torgau war. Auch Genf war vertreten.
Was ist der Katharina-Tag in Torgau?
Seit fünf Jahren gedenkt die Stadt Torgau mit ihrem jährlichen Katharinatag der Ehefrau Luthers. Katharina von Bora, die mit 25 Jahren dem Kloster Mariathron bei Grimma entfloh und dann an der Seite Luthers in Wittenberg lebte, starb in Torgau. Torgau liegt nordöstlich von Leipzig an der Elbe.
Inwiefern war die Präsenz der Zürcher Kirche wichtig?
Dass die Reformation in Zürich und Genf ein etwas anderes Gesicht hatte, ist den wenigsten bekannt. Es ist wichtig zu zeigen, wie breit der Horizont der Reformation war und wie vielfältig die Kirchen der Reformation heute sind.
Ist Zwingli in Torgau ein Begriff?
Von Zwingli hatten einige schon gehört. Ganz wenige wussten, dass er eine andere Auffassung vom Abendmahl vertrat und mit Luther keine Einigung fand.
Wie bekannt sind Zwinglis Frauen?
Von den Frauen um Zwingli hatte niemand auch nur die geringste Ahnung. Es gab auch einige die sagten, sie wüssten gar nichts, sie seien kirchenfern oder Atheisten, aber es interessiere sie, was mit dem Lutherjubiläum auf sie zukomme. Offenbar gibt es da auch eine neue Offenheit für die Inhalte der Reformation.
Am Katharina-Tag ist klar, dass Frauen eine wichtige Rolle in der Reformation gespielt haben. Wie ist dieses Wissen eigentlich in der Zürcher Kirche verankert?
Ich denke, dass das Buch über Katharina von Zimmern, der letzten Äbtissin der Abtei Fraumünster, hier doch etwas bewegt hat. Man kennt heute in Zürich mindestens ihren Namen. Ansonsten sind die Frauen der Reformation wenig bekannt. Das soll sich nun aber mit der Tagung «Hör nicht auf zu singen – Zeuginnen der Schweizer Reformation» ändern. Sie findet im August statt (siehe Hinweis oben rechts).
Eine ausführliche Version des Gesprächs erscheint in der Reformierten Presse vom 8. August.