Demokratische Republik Kongo
WHO-Chef fordert Waffenruhe in Ebola-Gebieten
Die Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo behindert laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Eindämmung des Ebola-Ausbruchs. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte in Genf vor einer Überforderung der Helfer in der Ituri-Provinz und forderte alle Konfliktparteien auf, einer sofortigen Waffenruhe zuzustimmen. Nur so könne ein sicherer und dauerhafter Zugang für medizinische Teams gewährleistet werden.
Die anhaltenden Kämpfe führten zu Massenfluchtbewegungen und drängten gefährdete Menschen in überfüllte Lager, sagte der WHO-Chef: «Die Helfer an vorderster Front riskieren alles, während Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen die Nachverfolgung von Fällen und deren Kontaktpersonen nahezu unmöglich machen.»
Internationaler Gesundheitsnotstand
Der Ebola-Ausbruch im Ostkongo war vor knapp zwei Wochen bekannt geworden. Die WHO rief angesichts der schnellen Ausbreitung des Virus kurz darauf einen internationalen Gesundheitsnotstand aus (ref.ch berichtete). In den von dem Infektionsgeschehen betroffenen Gebieten bekämpfen sich verschiedene Milizen und die staatlichen Sicherheitskräfte. Das Gesundheitssystem befindet sich in einem desolaten Zustand.
Ebola wird durch Kontakt von Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen. Eine Infektion mit der Bundibugyo-Variante verläuft nach Einschätzung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC in 25 bis 50 Prozent der Fälle tödlich.
Gegen diese Variante des Ebola-Virus gibt es keinen zugelassenen Impfstoff, wodurch eine Eindämmung zusätzlich erschwert wird. Zuletzt registrierte die WHO mehr als 900 Verdachtsfälle und 220 mutmassliche Todesfälle. 101 Ebola-Erkrankungen und zehn Todesfälle wurden demnach bestätigt.
Hilfseinsatz von «Ärzte ohne Grenzen»
«Ärzte ohne Grenzen» bereitet nach eigenen Angaben mit den kongolesischen Gesundheitsbehörden einen grossangelegten Hilfseinsatz vor. Es seien bereits 60'000 Schutzanzüge in die Einsatzregion gebracht worden, acht Tonnen an Hilfsgütern seien auf dem Weg aus der Hauptstadt Kinshasa in den Osten des Landes.
68 Tonnen an medizinischem Material und logistischer Ausrüstung sollen von Belgien in den Ostkongo transportiert werden, hiess es. Zugleich würden in den betroffenen Gebieten Isolationsbereiche sowie Strukturen für Diagnostik, Behandlung und Infektionsschutz aufgebaut. Mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in der Region und bereiteten gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden den Hilfseinsatz vor. (epd/ gab)