Wenn die Liturgie gejodelt wird

Im Aargauischen Zofingen fand am Sonntag ein besonderer Gottesdienst statt. Anlässlich des Reformationsjubiläums schrieben Stephan Haldemann und Peter Künzi eine reformierte Jodelliturgie. Daran gearbeitet wurde auch in schlaflosen Nächten.

Der Jodlerklub Edelweiss Zofingen, das Wäberchörli Bern und das Ländlerquartett André Meier unter der Leitung von Peter Künzi in der Stadtkirche Zofingen. Geleitet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Lukas Stuck. (Bild: zVg)

Es war ein heimatlicher und andächtiger Gesang, der am 10. September beim Gottesdienst vor 350 Besuchern in der evangelisch-reformierten Stadtkirche Zofingen erklang. Der Jodlerklub Edelweiss Zofingen, das Wäberchörli Bern und das Ländlerquartett André Meier führten die Aargauer Jodelliturgie auf, die von Stephan Haldemann und Peter Künzi komponiert wurde. Die neue Komposition geht von der traditionellen Liturgie der Messe aus, ist aber in Mundart gehalten und mit gesprochenem und wortlosem Jodelgesang vertont.

Haldemann, der für die Texte zuständig war, und Peter Künzi, der die Musik dazu schrieb, hatten intensiv an der Jodelliturgie gearbeitet. Sie wurde im Januar 2017 veröffentlicht, ab da begannen die Proben mit dem Chor. «Mich hat es sehr berührt, die fertigen Stücke am Sonntag zu hören», sagt Künzi. «Das war einfach schön.»

Die Musik auch beim Skifahren im Kopf

Für ihn sei es eine neue Erfahrung gewesen, Musik zu fremden Texten zu komponieren, so Künzi. Bis jetzt habe er neben der Musik gleich auch selbst die Texte zu den Jodelliedern verfasst. «Es war nicht immer einfach. Ich musste das Metrum der Texte zuerst spüren. Das brauchte eine gewisse Anlaufzeit.»

Um die passenden Melodien zu finden, habe er die Texte in seinem Hinterkopf speichern müssen. «Ob bei einer Wanderung, auf dem Velo oder bei einer Skitour, sie waren immer präsent. Die Melodien dazu fielen mir oft spontan ein.»

Schlaflose Nächte am Klavier

Auch nachts habe er an den Stücken geschrieben. «Ich bin dann ans Klavier gesessen und habe Melodien ausprobiert», sagt Künzi. Nicht immer habe ihn dabei sofort die Muse geküsst. «Bei schwierigen Stellen hilft es nicht, verbissen daran zu arbeiten. Dann lege ich das Stück lieber beiseite und arbeite später wieder daran.»

Herausgekommen sind so laut Künzi Stücke, die nicht zu anspruchsvoll sind, aber dennoch musikalisch eine gewisse Tiefe aufweisen. «Es sollte eine Liturgie sein, die auch von vielen Chören gut gesungen werden kann. Ich denke, das ist mir gut gelungen.»

Einfache und klare Worte

Auch Stephan Haldemann ist mit dem Ergebnis zufrieden: «Berührt hat mich besonders, die vertonten Texte zum ersten Mal gesungen zu hören.» Er habe sich beim Komponieren am Ablauf der traditionellen Messe orientiert, diese Inhalte jedoch in sehr einfachen und klaren Worten wiedergeben wollen. «Zentral war für mich dabei, dass es eben nicht ‹hochtheologische› Formulierungen sind, sondern Aussagen, zu denen auch gerade die Ausführenden stehen können», sagt Haldemann.

Für die Jodelliturgie seien er und Peter Künzi zudem etwas von der traditionellen Form des Jodelliedes abgewichen, das in der Regel aus drei Strophen und Jodel als Refrain besteht. «Es sollten ja letztendlich eher kurze Stücke für den Gottesdienst sein.»

Haldemann hofft, dass die Jodelliturgie den Weg zu vielen Chören finden wird. Gerade auch, weil die Melodien nicht immer die üblichen musikalischen Pfade gehen würden.

Den evangelisch-reformierten Gottesdienst zum Thema «Heimat»  mit der Jodelliturgie gibt es hier auf der Website des Schweizer Radio und Fernsehen zu sehen.