Erster öffentlicher Einsatz der «Aargauer Jubiläumsliturgie»

Mit einem besonderen Gottesdienst beging die reformierte Kirchgemeinde Aarau am Sonntag, 15. Januar, den Auftakt des Reformationsjubliläums: Zum ersten Mal wurde nach der neuen «Aargauer Liturgie» gefeiert.

Selbstverständlich mit Abendmahl: Festgottesdienst am 15. Januar in Aarau. (Bild: Marianne Weymann)

Drei vertonte Abendmahlsliturgien sowie ein Weihnachtsspiel – das ist das Geschenk der Aargauischen Landeskirche an den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) zum Reformationsjubiläum. Der von Gottfried Locher und Sabine Brändlin verfasste Text ist in diesen Liturgien immer der gleiche, die Musikstile nicht: Die Liturgie kann mit Pop-, Jodel- oder klassischer Musik eingesetzt werden.

Am Sonntag war die klassische Variante dran. Mit dabei waren die Kantorei der Stadtkirche, die die musikalischen Teile gestaltete, sowie SEK-Ratspräsident Gottfried Locher, der die Predigt übernahm.

Im Vorfeld waren in der Kirchgemeinde auch ein paar skeptische Töne zu vernehmen. «Verrupft» nannte eine Sängerin der Kantorei den Ablauf. «Hier ein Kyrie, da ein Halleluja, das sind wir nicht gewohnt.» Auch im Pfarrkollegium gab es Bedenken: Kann man so einen Gottesdienst einer Gemeinde zumuten, die damit überhaupt nicht vertraut ist? Ist das nicht irgendwie künstlich?

Tradition mit Absicht

Tatsächlich ist die neue Liturgie so neu nicht. Sie ist in Form einer Messe gehalten, mit allen Teilen, die traditionell dazugehören wie Kyrie, Gloria, Credo oder Sanctus. Auch die Formulierungen entstammen zu einem guten Teil der Tradition. Für Katholiken oder Lutheraner ist der Wiederkennungswert garantiert. Aber für Reformierte? Gar reformierte Deutschschweizer, in deren Gottesdiensten höchstens noch eine Rumpfliturgie zum Tragen kommt?

Genau das war aber die Absicht der Autoren, so Locher: Dieser reformierten «liturgischen Ausdünnung» etwas entgegenzusetzen. Und gleichzeitig die Reformierten in den «ökumenischen Kontext» zu stellen, in den sie gehören.

«Mir hat’s gefallen»

Tatsächlich war das Experiment in Aarau durchaus gelungen. Dazu trugen auch der gute Besuch und die prägnante Predigt von Locher zum Thema «Solus Christus» bei. Ein  detailliertes Gottesdienstblatt mit kurzen Erklärungen führte die Besucher durch die einzelnen Teile. Einer der mitwirkenden Pfarrer sagte hinterher, dass ich seine Befürchtungen nicht bestätigt hätten. Ein präzises liturgisches Gerüst habe durchaus seine Vorteile. Auch bei der Gemeinde kam der Gottesdienst insgesamt gut an. «Mir hat’s gefallen», sagte eine Kirchgängerin beim Abschied.

Die Popfassung der «Aargauer Jubiläumsliturgie» kommt zum ersten Mal am 22. Januar in St. Gallen in einem Fernsehgottesdienst zum Einsatz. Gejodelt wird dann am 10. September in Zofingen, ebenfalls in einem Fernsehgottesdienst.