Von CVP bis EVP: Heisses Eisen PID spaltet Parteien

Am 14. Juni entscheidet die Schweizer Stimmbevölkerung über die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID). Mit dieser sollen künstlich gezeugte Embryos bereits vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter auf Erbkrankheiten überprüft werden. Der Parolenspiegel der grossen Parteien zeigt, wie umstritten die Vorlage ist.

Die PID ist ethisch und politisch umstritten, da sie grundlegende Fragen nach dem Wert – und der Zulässigkeit der Bewertung – sich entwickelnden Lebens aufwirft. Im Bild: Embryonen im 2- und 4-Zellen-Stadium. (Bild: Minami Himemiya/Wikimedia)

An der Delegiertenversammlung der CVP vom 25. April zeigte sich, wie umstritten die Frage der PID ist: Die Partei stimmte mit 120 zu 83 Stimmen Ja zur Verfassungsänderung für die Zulassung der PID. Damit fiel der Entscheid zwar etwas klarer aus als erwartet – allerdings wurde die Vorlage im Vorfeld der Parolenfassung in der Partei äusserst kontrovers diskutiert.

Mit PID «viel Leid vermeiden»

Das zeigte auch die Diskussion zwischen der Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Ricklin als Befürworterin und dem Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr als Gegner der Vorlage an der Delegiertenversammlung. Ricklin sagte, dass es ein Vorteil der Verfassungsänderung sei, dass mit der Präimplantationsdiagnostik künftig viel Leid vermieden werden könne. Wenn Erbkrankheiten früh erkannt würden, müsse nicht nachträglich abgetrieben werden. Daraufhin konterte Lohr, dass er seine eigene Behinderung überhaupt nicht als Leiden empfinde. Er wolle leben und hoffe, dass er dies noch lange tun dürfe – ein eigentliches Recht auf ein gesundes Kind gebe es nicht. Nationalrat Lohr kam als Folge einer Contergan-Schädigung ohne Arme und mit missgebildeten Beinen zur Welt.

Geschlechtsbestimmung mit PID möglich

Als PID werden zellbiologische und genetische Untersuchungen zur Erkennung von Erbkrankheiten und Fehlbildungen der Chromosomen bezeichnet. Der Befund, der aus solch einer Untersuchung erfolgt, dient dem Entscheid, ob ein künstlich gezeugter Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll. Die Auswahl des Geschlechts oder bestimmter erblicher Eigenschaften des Kindes sind möglich.

Stimmfreigabe von SP

Die Vorlage wird nebst der CVP von FDP, GLP, Grüne und BDP befürwortet. Zur Ablehnung empfohlen wird sie von der SVP, EDU und EVP. Die EVP hat sie mit 82 Nein-Stimmen zu 9 Ja-Stimmen bei 3 Enthaltungen deutlich abgelehnt. Die SP hat Stimmfreigabe beschlossen.

In vielen Ländern, darunter den meisten europäischen Ländern, ist die PID gesetzlich geregelt und für teils unterschiedliche Anwendungen erlaubt. In Deutschland ist sie ausschliesslich zur Vermeidung von schweren Erbkrankheiten, Tot- oder Fehlgeburten zulässig, in Österreich nur zur Behebung erblich bedingter Unfruchtbarkeit. In der Schweiz ist die PID bisher verboten. (ref.ch/sda)

 


 

Korrigendum

Im obenstehenden Artikel «Von CVP bis EVP: Heisses Eisen PID spaltet Parteien» wurde in einem Zwischentitel angegeben, dass die Geschlechtsbestimmung mit PID – entgegen der Information im Text – nicht möglich sei. Das ist falsch. Wir haben den entsprechenden Zwischentitel inzwischen korrigiert.