Bildungspolitik

Viel Kritik an Matura-Reform

Gymnasiastinnen sollen künftig die Möglichkeit haben, Fächer wie Religion, Theater oder Geschichte als Schwerpunktfach zu wählen. Die geplante Reform kommt nicht überall gut an.

Rund ein Fünftel der Jugendlichen in der Schweiz schliesst seine Schulzeit mit der Maturität ab. Um die Matura zu modernisieren, hat der Bund im vergangenen Jahr eine Reform in die Vernehmlassung geschickt. Ziel ist es, die gymnasiale Ausbildung den Anforderungen der Zukunft anzupassen. Ebenso soll der prüfungsfreie Zugang zur Universität sichergestellt werden.

Nach Abschluss der Vernehmlassung im vergangenen Herbst zeigt sich: Einige Vorschläge der Maturitätsreform stossen bei den Kantonen auf wenig Gegenliebe. Für Kritik sorgt insbesondere die angestrebte Ausweitung der Wahl- und Maturafächer, wie die «Aargauer Zeitung» am 9. Januar berichtete.

Kantone sehen Bildung in Gefahr

So sollen ab 2027 die Fächer Informatik sowie Wirtschaft und Recht in allen Kantonen zu Grundlagenfächern werden. Ausserdem sollen Schülerinnen und Schüler bei den Schwerpunktfächern mehr Wahlmöglichkeiten haben – neu könnten zum Beispiel Religion, Theater oder Geschichte gewählt werden. Die Noten aus diesen Fächern würden bei der Matura gleich gewertet wie jene der Grundlagenfächer.

Das sorgt bei den Kantonen für Diskussionen. So kritisiert der Kanton Baselland in seiner Vernehmlassungsantwort, durch die Reform werde der Bildungsgang weiter fragmentiert. So würde die Anzahl der Maturitätsnoten erhöht und die Bedeutung der einzelnen Fächer reduziert. Auch andere Kantone wie der Aargau äusserten sich laut dem Bericht kritisch zu den neuen Fächern.

Kirchen fordern obligatorisches Fach

Dass die Reform noch einen Schritt weiter geht, wünschen sich die Kirchen in der Schweiz. In ihrer gemeinsamen Vernehmlassungsantwort begrüssten die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz, die Christkatholische Kirche Schweiz, die Schweizer Bischofskonferenz und die Römisch-katholische Zentralkonferenz zwar, dass Religion als Schwerpunktfach angeboten werden soll. Aus Sicht der Kirchen sei aber ein obligatorisches Grundlagenfach «Religionen» oder ein kombiniertes Grundlagenfach «Religionen/Philosophie» wichtig.

Religion sei von «erheblicher kultureller und gesellschaftlicher Relevanz», heisst es in der Antwort der Kirchen. Zudem diene der Austausch über Religionen der Dialogfähigkeit, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Stärkung der Zivilgesellschaft. Derzeit läuft die Auswertung der Vernehmlassungsantworten; bis Mitte Jahr wollen Bund und Kantone die endgültigen Verordnungen fertigstellen. (no)