USA

Wie Trumps Abschiebungen die Kirchen spalten

US-amerikanische Kirchen stehen im Spannungsfeld mit Donald Trump. Der Hauptkonflikt betrifft die Abschiebungspraxis, während konservative Christen seine Haltung in sozialen Fragen begrüssen.
Geistliche protestieren am Flughafen Minneapolis-St.Paul gegen Donald Trumps Abschiebepolitik. Viele Christinnen und Christen stehen der ICE aber auch wohlwollend gegenüber. (Bild: Kerem Yücel / Keystone)

Gott sei «sehr stolz auf den Job, den ich gemacht habe» – das erklärte US-Präsident Donald Trump anlässlich des ersten Jahrestags seiner zweiten Amtszeit am 20. Januar. Die Religionsgemeinschaften sind da geteilter Meinung. Besonders zeigt sich das bei Protesten gegen die Festnahme von Hunderttausenden Menschen, die angeblich ohne gültige Papiere in den USA leben. Vielerorts sind es protestantische und katholische Kirchgemeinden, die den Familien der Abgeschobenen und den Bedrohten selbst praktische Hilfe leisten.

Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, mit rund 430'000 Einwohnern, steht im Zentrum der Ereignisse. Am 7. Januar erschoss ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE die 37-jährige Renée Good. Die Mutter dreier Kinder sass in ihrem Fahrzeug in der Nähe eines ICE-Einsatzes. Am 24. Januar erschoss ein Bundesbeamter unter bisher nicht näher geklärten Umständen den 37 Jahre alten Krankenpfleger Alex Pretti.

Geschätzt 2000 bis 3000 bewaffnete und häufig vermummte ICE-Beamte nahmen im Grossraum Minneapolis in den zurückliegenden Wochen laut Regierung 3000 Menschen wegen des Verdachts auf «illegalen Aufenthalt» fest. Medienberichten zufolge nahm ICE auch Kinder in Gewahrsam.

Protestierende Pastoren

Hunderte protestantische Pastorinnen und Pastoren reisten in der vergangenen Woche nach Minneapolis, um trotz klirrender Kälte an Kundgebungen gegen ICE teilzunehmen. Rund 100 von ihnen wurden bei einer Protestaktion am Flughafen festgenommen, berichtete der Informationsdienst der Episkopalkirche unter Berufung auf die Flughafenpolizei (ref.ch berichtete). Minneapolis erlebe eine ICE-Kampagne der «fahrlässigen Grausamkeit», um den Menschen Angst einzujagen, sagte der Bischof der Episkopalkirche von Minnesota, Craig Loya. Zugleich erlebe man seitens der Bevölkerung «aufopferungsvolle nachbarschaftliche Liebe».

Doch die deutliche Kritik an der Einwanderungsbehörde ICE wird in den USA nicht von allen Kirchen geteilt. Neben protestierenden Gemeinden gibt es auch kirchliche Akteure, die den staatlichen Kurs unterstützen oder ihm zumindest nahestehen. Zum Eklat kam es Mitte Januar, als Demonstrierende einen Gottesdienst in einer Kirche in der Nachbarstadt St. Paul störten. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen einen Pastor der Cities Church, der zugleich eine örtlich leitende Funktion bei der Einwanderungsbehörde ICE innehaben soll.

Heimatministerium wirbt mit Bergpredigt

Laut Umfragen befürworten weisse evangelikale Christen einen starken Grenzschutz und Abschiebungen mehr als der Rest der Bevölkerung. Das Public Religion Research Institute ermittelte im Herbst, dass 68 Prozent der weissen Evangelikalen ICE vertrauen – aber nur 42 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Das für ICE zuständige Heimatschutzministerium stellt Abschiebungen in einen christlich-nationalistischen Kontext. Ein Werbespot des Ministeriums zeigt bewaffnete ICE-Beamte im Einsatz, zitiert wird aus Jesu Bergpredigt: «Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes heissen.» Ein Spot bemüht einen Vers aus dem biblischen Buch der Sprichwörter, «der Frevler flieht, auch wenn ihn keiner verfolgt, der Gerechte fühlt sich sicher wie ein Löwe».

Katholische Bischöfe im Dilemma

Für die römisch-katholischen Bischöfe ist die Lage mit Trump besonders heikel: Einerseits scheinen sie dankbar zu sein, dass im Weissen Haus nun ein entschieden abtreibungskritischer Präsident sitzt. Bei der jüngsten «March for Life»-Kundgebung gegen Abtreibung hat Trump erneut versichert, Lebensschützer hätten im Weissen Haus einen Verbündeten. Unter seinem Vorgänger Joe Biden, der legalen Schwangerschaftsabbruch befürwortet, hatte die Bischofskonferenz sogar darüber diskutiert, ob der katholische Politiker überhaupt zur heiligen Kommunion zugelassen werden dürfe.

Die römisch-katholische Kirche in den USA versteht sich seit jeher als Kirche der Einwanderer, und vielen Katholikinnen und Katholiken geht Trumps restriktive Migrationspolitik deutlich zu weit. Die unabhängige Wochenzeitung «National Catholic Reporter» stellte kürzlich in einem Kommentar die Frage, ob man nach Renée Goods Tod noch so tun könne, als ob Trump «für das Leben» sei.

Im November hatte die katholische Bischofskonferenz eine Resolution gegen die «willkürliche Massenabschiebung von Menschen» verabschiedet. Darin ruft sie zum Gebet für ein Ende der «entmenschlichenden Rhetorik und Gewalt» auf – sowohl gegen Migrantinnen und Migranten als auch gegen Regierungsbeamte.

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema