«Unser Wohlstand ist nur auf Kosten anderer möglich»

Am 13. April feiern die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer das 50-Jahr-Jubiläum ihrer ökumenischen Kampagne. Im Interview erklärt Projektleiter Mischa von Arb, wie sich das Bewusstsein für das Elend auf der Südhalbkugel verändert hat und warum dieses Jahr Frauen im Zentrum der Kampagne stehen.


Herr von Arb, die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer setzen sich mit ihrer ökumenischen Kampagne seit 50 Jahren für eine bessere Welt ein. Waren sie erfolgreich?
Ja, wir haben einiges erreicht. Es ist uns gelungen, eine breite Öffentlichkeit für Armut und Elend im Süden zu sensibilisieren. Dieses Bewusstsein war vor 50 Jahren noch nicht da. Heute ist den Leuten klar, dass unser Wohlstand in der Schweiz und den anderen westlichen Ländern nur auf Kosten von weniger privilegierten Menschen möglich ist.

Woran machen Sie diesen Erfolg fest?
An der grossen Unterstützung, die unsere Kampagne seit Jahren erfährt. An unserem Suppentag, mit dem wir das 50-Jahr-Jubiläum feiern, engagieren sich rund 700 reformierte Kirchgemeinden und 1400 Pfarreien. Das zeigt, dass viele Menschen unser Anliegen wichtig finden. Auch die Konzernverantwortungsinitiative, für die wir zusammen mit Fastenopfer rund 25’000 Unterschriften gesammelt haben, wäre ohne ein Bewusstsein für das Unrecht nicht zustande gekommen.

Das Motto der diesjährigen Kampagne lautet «Gemeinsam für starke Frauen». Die Benachteiligung von Frauen ist zurzeit überall ein Thema. Sind Sie auf diesen Zug aufgesprungen?
Nein, das ist ein Zufall. Wir planen unsere Kampagnen jeweils zwei Jahre im Voraus. Mit dem Slogan wollen wir darauf hinweisen, dass Frauen weltweit eine tragende Rolle in der Wirtschaft spielen. Auf der Entscheidungsebene sind sie aber klar untervertreten. Das gilt für die Industrienationen und noch stärker für die Entwicklungsländer. Besonders schwierig ist die Situation von Frauen in Regionen, in denen Rohstoffe gewonnen werden.

Inwiefern?
Die Ausbeutung von Rohstoffen führt oft zu Menschenrechtsverletzungen, Landraub und Enteignungen. Das zwingt die Männer dazu, die Dorfgemeinschaften zu verlassen und in den urbanen Ballungsgebieten eine neue Arbeit zu finden. Die Frauen bleiben zurück und müssen die ganze Verantwortung für die Familie selber tragen.

Kommen die Kollekten aus der Kampagne diesen Frauen zugute?
Die Spendengelder fliessen in Entwicklungsprojekte, mit denen wir zum Beispiel einzelne Dorfgemeinschaften unterstützen. Frauenförderung funktioniert in diesen Strukturen nur, wenn die Männer integriert werden. Wenn ein ganzes Dorf mehr Rechte hat, profitieren gerade auch die Frauen davon.

Morgen feiern Sie das Jubiläum mit einem Suppenessen in Bern. Was wird dort Ihre Aufgabe sein?
Mein Job ist, auf dem Bahnhofsplatz das Glücksrad zu betreuen. Ausserdem springe ich ein, wenn Suppe geschöpft, Tische abgeräumt und Brot verteilt werden muss.