Schweiz

Unregelmässigkeiten bei Tausenden Adoptionen

Ein Bericht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeichnet ein düsteres Bild der Schweizer Adoptionspraxis der Vergangenheit. Der Bundesrat drückt sein Bedauern aus.

Alte Akten der Berner Vormundschaftsbehörde über ein Baby, das zur Adoption freigegeben wurde. (Bild: Peter Klaunzer/ Keystone)

Tausende Kinder könnten in der Vergangenheit unter dubiosen Umständen zur Adoption in die Schweiz gelangt sein. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), der im Auftrag des Bundesrats erstellt wurde. Die betroffenen Kinder stammen aus zehn verschiedenen Staaten.

Die Landesregierung anerkennt und bedauert, dass die schweizerischen Behörden trotz Hinweisen auf Unregelmässigkeiten nicht reagiert hätten, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Um Missbräuche in Zukunft zu verhindern, will der Bundesrat eine Revision des internationalen Adoptionsrechts prüfen lassen. Zudem seien die Kantone dafür zuständig, Betroffene bei der Herkunftssuche zu unterstützen.

Schon vor vier Jahren zeigte ein Bericht auf, dass viele Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka zwischen 1973 und 1997 unrechtmässig vonstattengegangen sind. Trotz gefälschten Dokumenten, fehlenden Herkunftsangaben und Hinweisen auf Kinderhandel bewilligte die Schweizer Vertretung im Land viele der Adoptionen. Auch wurden Fristen nicht eingehalten, in denen die leiblichen Eltern ihre Zustimmung zu einer Adoption widerrufen konnten.

Das sei offenbar auch in zahlreichen anderen Ländern der Fall gewesen, wie der neue Bericht der ZHAW festhält. Dabei handelt es sich um Bangladesch, Brasilien, Chile, Guatemala, Indien, Kolumbien, Korea, Libanon, Peru und Rumänien.

Besonders gross sei das Missbrauchsrisiko bei Eltern gewesen, die auf eigene Faust und ohne Vermittlung durch staatliche Stellen nach einem Adoptivkind gesucht hätten. Viele von ihnen hätten durch ihren starken Kinderwunsch illegale Praktiken in Kauf genommen, hält der Bericht fest. In der Gesellschaft herrschte zudem die Meinung vor, dass Paare ein Recht auf ein Adoptivkind hätten und ein adoptiertes Kind in der Schweiz ohnehin ein besseres Leben hätte als im Herkunftsland. (pef)