UNO: Fast die Hälfte aller Syrer auf der Flucht

Die Situation der Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien spitzt sich laut den Vereinten Nationen (UNO) dramatisch zu. Inzwischen sei fast die Hälfte aller Syrer auf der Flucht oder vertrieben worden. Die Hilfsoperationen für sie seien inzwischen das grösste Projekt in der 64-jährigen Geschichte des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Auch im Irak flüchten immer mehr Menschen vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Zwei syrische Flüchtlinge in Jordanien (Aufnahme von 2013)
Zwei Flüchtlinge in Jordanien (Aufnahme von 2013) (Bild: UK Department for International Development/Wikimedia)

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR geht nach neuesten Zahlen von drei Millionen Flüchtlingen aus. 6,5 Millionen Menschen seien innerhalb Syriens auf der Suche nach Sicherheit. Unter den entwurzelten Menschen seien ganz viele Kinder, teilte das Flüchtlingshilfswerk am Freitag in Genf mit.

«Die Krise in Syrien ist zum grössten humanitären Notfall unserer Zeit geworden, aber die Welt versagt dabei, den Menschen und den Ländern, in die sie flüchten, zu helfen», sagte der UNO-Flüchtlingskommissar António Guterres. Selbst grosszügige Angebote reichten nicht aus.

«Die bittere Wahrheit ist, es ist zu wenig», sagte Guterres. Zu den bisher gespendeten 3,1 Milliarden Euro würden zusätzlich bis Jahresende noch einmal 1,5 Milliarden Euro gebraucht, um die Flüchtlinge über den Winter zu bringen.

Totale Erschöpfung

Laut UNHCR passieren die Menschen die Grenzen immer öfter total erschöpft, im Schockzustand, völlig verängstigt und ohne Ersparnisse. Die meisten seien seit mindestens einem Jahr auf einer Odyssee von Dorf zu Dorf gewesen, bevor sie sich endgültig zur Flucht entschlossen haben. Die Flucht selbst werde immer schwerer. Die Familien würden gezwungen, die Grenzposten zu bestechen oder Menschenschmuggler zu bezahlen.

Inzwischen lebten im Libanon 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge, in der Türkei 815’000, in Jordanien 600’000. Dort explodierten in einigen Regionen die Lebensmittelpreise, koste ein Brot mehr als zehnmal so viel wie vor einem Jahr, berichtete die UNO weiter. Die Hilfsoperation sei inzwischen das grösste Projekt in der 64-jährigen Geschichte des Flüchtlingshilfswerks.

Die Staatsführung unter Präsident Baschar al-Assad versucht seit mehr als drei Jahren, einen Aufstand niederzuschlagen. Im Bürgerkrieg sind nach UNO-Erkenntnissen etwa 200’000 Menschen getötet worden. Menschenrechtler werfen den Regierungstruppen, den Rebellen und anderen Akteuren wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Kriegsverbrechen vor.

1,6 Mio Flüchtlinge im Irak

Wegen des gewalttätigen Vormarsches der IS im Norden des Iraks sind auch dort Hunderttausende auf der Flucht. Seit Anfang des Jahres seien mehr als 1,6 Millionen Menschen vor dem Krieg aus ihrer Heimat in andere Teile des Landes geflohen, hiess es in einem am Freitag in Genf vorgestellten Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

Die meisten suchten Zuflucht im kurdischen Teil des Iraks und in Nachbarregionen. Viele der Vertriebenen sind laut der IOM körperlich und finanziell am Ende sowie traumatisiert, weil Verwandte von ihnen von IS-Einheiten verschleppt oder ermordet wurden. (sda)

Hinweis: Am 7. September laden die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) und die Schweizerische Evangelische Allianz zu einem Fürbittegottesdienst in Solidarität mit bedrohten Minderheiten und der leidenden Bevölkerung in Syrien und Irak ein.

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