Unicef befürchtet höhere Kindersterblichkeit

Die Corona-Pandemie trifft Familien und Kinder weltweit besonders hart. Das Kinderhilfswerk Unicef fordert deshalb deutlich mehr Geld, um das Schlimmste zu verhindern.


Das Kinderhilfswerk Unicef erhöht seinen Nothilfeaufruf wegen der Folgen der Corona-Pandemie von 651 Millionen auf 1,6 Milliarden US-Dollar. Weltweit wachse der Bedarf an humanitärer Hilfe für Kinder, erklärte Unicef am Dienstag.

Zu Beginn des fünften Monats der Pandemie seien die Kosten für Hilfsgüter, Transporte und Umsetzung von Hilfsmassnahmen dramatisch gestiegen. Der Zugang zu Gesundheitsversorgung und routinemässigen Impfungen sei für Hunderte Millionen Kinder beeinträchtigt. «Dies kann zu einem signifikanten Anstieg der Kindersterblichkeit führen», erklärte die Hilfsorganisation der Vereinten Nationen. Bislang habe man 215 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die Folgen der Pandemie erhalten.

Die Pandemie bringt Unicef zufolge verheerende sozioökonomische Konsequenzen mit sich und führt zu wachsender Not von Familien und Kindern. «Schulen sind geschlossen, Eltern können nicht arbeiten, und der Druck auf Familien wächst», sagte Exekutivdirektorin Henrietta Fore.

Es drohen Gewalt und Missbrauch

Unter diesen Bedingungen sowie aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs würden die Risiken von Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung für Kinder zunehmen. Mädchen seien besonders von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. Viele vertriebene, geflüchtete sowie zurückgeführte Kinder hätten nur eingeschränkten Zugang zu Hilfe und Schutz.

«Die Mittel werden uns ermöglichen, auf die Krise zu reagieren, uns von ihren direkten Nachwirkungen zu erholen und die Kinder vor den langfristigen Folgen zu schützen», sagte Fore. Nach Einschätzung von Unicef leben 77 Prozent der Mädchen und Jungen weltweit (1,8 Milliarden) in einem der 132 Länder, in denen wegen des Coronavirus Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden. (epd)