UN-Organisation: «Alarmierender Anstieg» der Todesfälle im Mittelmeer
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit Sitz in Genf hat einen «alarmierenden Anstieg» der tödlich verlaufenden Bootsunfälle im Mittelmeer beklagt. Im ersten Halbjahr 2023 seien auf der zentralen Mittelmeerroute über 1700 Menschen gestorben. Das seien bereits jetzt mehr als in jedem vollen Jahr zwischen 2018 und 2022, sagte Safa Msehli, Sprecherin der IOM.
Laut Zahlen der UN-Organisation seien 2018 auf dieser Route 1.314 Flüchtlinge und Migranten gestorben. 2020 habe es 1.000 Tote gegeben. Die meisten Menschen seien ertrunken. Die Sprecherin warnte vor einer «Normalisierung»: Es bestehe die Gefahr, dass sich die Öffentlichkeit an die Unglücke gewöhne. Mitverantwortlich dafür seien laut IOM populistische Politiker, die Schutzsuchende dämonisierten.
Die UN-Organisation betonte, dass die Staaten eine völkerrechtliche Verpflichtung hätten, Menschen in Seenot zu retten. Viele Flüchtende, die auf dem riskanten Weg über das Mittelmeer nach Europa kommen wollten, hätten Kriege, Gewalt, Unterdrückung und Armut erlebt. Auch der Klimawandel zwinge zunehmend Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.
Die zentrale Migrationsroute über das Mittelmeer führt von Libyen und Tunesien nach Italien und Malta. Häufig arrangieren Schlepperbanden die Überfahrten auf kaum oder nicht seetauglichen Booten und machen damit große Profite. Eine staatlich organisierte Seenotrettung für Flüchtlinge und Migranten gibt es derzeit nicht. (epd/dst)