Alternativer Nobelpreis

Ukrainische Juristin geehrt

Eine ukrainische Juristin, die Kriegsverbrechen dokumentiert, erhält den Alternativen Nobelpreis. Geehrt werden zudem Aktivistinnen aus Somalia, Venezuela und Uganda.

Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr nach Somalia, in die Ukraine, nach Venezuela und Uganda. Das hat die Stiftung am Donnerstag in Stockholm bekannt gegeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden ausgezeichnet für ihren Einsatz für Frieden, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz.

Einen Preis erhält die ukrainische Menschenrechtlerin Oleksandra Matwijtschuk. Die 38-jährige Juristin setzt sich mit ihrem 2007 gegründeten «Zentrum für Bürgerliche Freiheiten» (CCL) dafür ein, Zivilgesellschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu stärken. Nicht erst seit der Invasion Russlands in die Ukraine im Februar dokumentieren Matwijtschuk und CCL Kriegsverbrechen und andere Menschenrechtsverletzungen.

Nach der Annexion der Krim durch Moskau und dem Ausbruch von Kämpfen im Donbass 2014 war CCL demnach die erste Menschenrechtsorganisation, die mobile Teams dorthin entsandt und eine Liste zu politischen Gefangenen erstellt hatte. Im Zuge des Einmarschs in die Ukraine werden Russland gezielte Massaker insbesondere an Zivilisten vorgeworfen, darunter in den Orten Butscha und Irpin. Dort sammelten CCL-Mitarbeitende Zeugenaussagen.

Lebensmittel günstiger abgeben

Die somalischen Menschenrechtsaktivistinnen Fartuun Adan und Ilwad Elman werden für die Förderung von Frieden und Entmilitarisierung gewürdigt. Mit ihrer Organisation «Elman Peace» unterstützen Mutter und Tochter Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt. Auch setzen sie sich ein für die Resozialisierung von Kindersoldatinnen und -soldaten sowie für berufliche Bildung von Frauen und Jugendlichen, wie die Stockholmer Stiftung die Auszeichnung begründete.

Als preiswürdig erachtet die Stockholmer Stiftung auch die venezolanische Initiative «Cecosesola». Das 1967 gegründete Netzwerk genossenschaftlicher Organisationen aus sozial schwachen Regionen produziert und bietet Lebensmittel wie Obst und Gemüse auf Wochenmärkten zu erschwinglichen Preisen an. «Cecosesola» etablierte auch Zentren für die medizinische Versorgung sowie genossenschaftliche Bestattungsdienste. Es sei eine Inspiration für alle, die nach alternativen ökonomischen Ansätzen suchten.

Förderung soll nachhaltig wirken

Weitere Preisträgerin ist eine ugandische Umweltschutzorganisation. Sie stärkt Gemeinden den Rücken, die sich gegen zunehmenden Landraub, Vertreibungen und Umweltzerstörungen zur Wehr setzen. Unerschrocken kämpften deren Mitarbeitende für den Schutz von Umwelt und Natur – trotz Schikanen, Drohungen und Festnahmen durch Staat und Regierung, heisst es in der Laudatio.

Der «Right Livelihood Award» ehrt jährlich Persönlichkeiten, die sich für Menschenrechte, Frieden, Gerechtigkeit und Umweltschutz einsetzen. Die Auszeichnung ist mit jeweils einer Million Schwedischen Kronen (umgerechnet rund 95'000 Franken) dotiert und soll die Arbeit der Geehrten nachhaltig fördern. Überreicht werden die Preise am 30. November in Stockholm. (epd/ jow)