Krieg in der Ukraine

Behörde will grösste ukrainische Kirche verbieten

Gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche läuft ein Verbotsverfahren. Diese gehörte vor dem russischen Einmarsch zum Moskauer Patriarchat.

In der kriegsgeplagten Ukraine hat das Amt für Nationalitäten- und Religionsfragen mit einer Klage vor Gericht das Verbot der grössten orthodoxen Kirche wegen Verbindungen nach Moskau eingeleitet. Die Klage gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche (UOK) sei bereits vergangene Woche beim Obersten Verwaltungsgericht eingereicht worden, sagte ein Behördenchef der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Er hoffe auf ein schnelles Verfahren.

Der Verlust des juristischen Status für die Kirche werde bedeuten, dass deren Gemeinden nicht mehr zentralisiert organisiert werden können. Das bedeute jedoch nicht, dass die Kirchgemeinden in eine andere Kirche übertreten müssten. «Der Staat jagt niemanden in die Orthodoxe Kirche der Ukraine oder irgendeine andere», sagte der Behördenchef.

Mit rund 10'000 Pfarreien ist die UOK statistisch gesehen weiterhin die grösste der ukrainischen Religionsgemeinschaften. Die lange Zeit dem Moskauer Patriarchat unterstehende Kirche hat sich nach dem russischen Einmarsch von diesem gelöst – auch weil Moskaus Patriarch Kirill als glühender Befürworter des Kriegs gilt.

Die tatsächliche Unabhängigkeit wird jedoch vom ukrainischen Staat bezweifelt. Dieser strebt daher ein Verbot der Religionsgemeinschaft an. Basis dafür ist ein erst im August 2024 beschlossenes Gesetz, welches ein Verbot von religiösen Organisationen mit Verbindungen nach Russland ermöglicht.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Juli zudem dem Kirchenvorsteher der UOK, Patriarch Onufrij, die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen. Der Westukrainer soll eine russische Staatsangehörigkeit verheimlicht haben, was der 80-Jährige jedoch bestreitet. Vom Staat bevorzugt wird dabei die erst 2019 mit Hilfe von Ex-Präsident Petro Poroschenko gegründete Orthodoxe Kirche der Ukraine. (dpa/ gab)

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema