Über 1’000 Sans-Papiers dürfen dank Projekt «Papyrus» bleiben

Im Kanton Genf haben bisher über 1'000 Menschen vom Programm «Papyrus» profitiert. Die Sans-Papiers erhielten unter strengen Auflagen und mit dem Einverständnis des Staatssekretariats für Migration einen geregelten Aufenthaltsstatus.


Der Kanton Genf hatte das schweizweit einzigartige Projekt «Papyrus» im Februar 2017 lanciert. Am 20. Februar 2018 zogen nun der Genfer Wirtschafts- und Sicherheitsdirektor Pierre Maudet (FDP) und das Staatssekretariat für Migration (SEM) nach einem Jahr eine positive Zwischenbilanz.

Bisher hätten 1’093 Sans-Papiers unter strengen Bedingungen eine Aufenthaltsbewilligung B erhalten, gab Maudet bekannt. Bis zum Abschluss des Projektes Ende Dezember 2018 dürfte die Zahl der Personen mit geregeltem Aufenthalt 2’000 erreichen.

Vor allem Frauen profitieren

Unter den bisher anerkannten Personen befinden sich mehrheitlich Familien, darunter ungefähr 400 Kinder. Zu einem grossen Teil hätten Frauen vom Projekt «Papyrus» profitieren können. Viele von ihnen stammen laut einer Studie der Universität Genf aus Lateinamerika und arbeiteten im Sektor Hauswirtschaft, wo es besonders häufig zu Schwarzarbeit und Lohndumping kommt.

Erst vier abgelehnt

Unter den geprüften Dossiers wurden bisher erst vier abgelehnt. Grund war die kriminelle Vergangenheit der Personen. Sie wurden ausgeschafft. Mario Gattiker, Staatssekretär des SEM in Bern, betonte, dass jeder einzelne Fall die Zustimmung des SEM erfordere.

Das Projekt «Papyrus» sei ein interessanter Weg. Es werde sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler Ebene stark beachtet. Manche hätten Befürchtungen und wollten das Ganze einstellen, während andere darüber diskutierten, ähnliche Projekte zu lancieren.

Instrument gegen Schwarzarbeit

Um vom Programm profitieren zu können, müssen die Gesuchsteller strenge Kriterien erfüllen, rief Gattiker in Erinnerung. So muss eine Familie mit Kindern beispielsweise mindestens fünf Jahre dauerhaft in Genf wohnhaft gewesen sein. Personen ohne Kinder müssen seit zehn Jahren im Kanton Genf gewohnt haben.

Ausserdem wird vorausgesetzt, dass die Gesuchsteller finanziell unabhängig sind. Das Programm «Papyrus» erlaube sehr verletzlichen Personen, aus einer ungewissen Situation herauszukommen, unterstrich Maudet. Ausserdem sei das Projekt ein effizientes Instrument, um die Schwarzarbeit zu bekämpfen. (sda/pd)