Tomáš Sedláček: «Gier haben Ökonomie und Theologie gemeinsam»

Wirtschaftsprofessor und Chefökonom Tomáš Sedláček trat zum Abschluss des 2. Forums christlicher Führungskräfte in Bern auf.


Wirtschaftswissenschaften und christliche Ethik könnten sich gut ergänzen, sagte der Hauptreferent Tomáš Sedláček am 2. Forum christlicher Führungskräfte am Samstag, 29. März, in Bern. Gier sei etwas, was Ökonomie und Theologie gemeinsam hätten, so der Wirtschaftsprofessor, Chefökonom und Bestsellerautor des Buches «Die Ökonomie von Gut und Böse».

Sogar im Paradies seien Adam und Eva nicht zufrieden gewesen, sagte Sedláček gemäss Mitteilung. Sie hätten zwar Erkenntnis gewonnen, als sie in den Apfel bissen, doch damit sei die Situation schlechter, nicht besser geworden: «Mehr ist nicht besser», folgerte Sedláček und machte eine inhaltliche Brücke zu den Wirtschaftswissenschaften: «Das Gefühl, körperlich und seelisch nie genug zu haben, gehört zum Menschen.»

Ökonomie und Religion nicht über alles erheben
Einen anderen Fokus richtete Tomáš Sedláček auf moderne Sozialsysteme. Sie enthielten so viele christliche Inhalte wie noch nie zuvor. Es sei aber wie bei einem Computer: «Kein System kann ewig funktionieren ohne zu kollabieren.» Kein System werde je perfekt sein oder könne vollends verstanden werden – dies gelte auch für das Wirtschaftssystem. Der «Reset» aufgrund der Bankenkrise sei Ausdruck davon.

Sedláček plädierte für mehr Mut zu «Resets» und motivierte, die spirituellen Inhalte der Bibel und wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse nicht losgelöst voneinander zu betrachten.

Man dürfe die Ökonomie genauso wenig wie die Religion über alles erheben. Verschiedene biblische Gleichnisse forderten heraus, gängige wirtschaftliche Erkenntnisse zu hinterfragen und den Blick auf die christlichen Grundwerte Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung nicht zu verlieren.