Thurgauer Kirche nimmt Stellung zum assistierten Suizid

Die Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau will mit einer neuen Publikation zur Diskussion über den assistierten Suizid anregen. Die Debatte über Sterbehilfe dürfe nicht der mächtigen «Sterbe-Lobby» überlassen werden.


Den Weg zu Ende gehen heisst eine von der Evangelischen Landeskirche Thurgau herausgegebene Publikation zu Fragen des begleiteten Suizids. Das von Fachleuten aus Medizin, Theologie, Psychologie, Gerontologie, Pflege und Recht verfasste Buch wurde am 30. August in der Kartause Ittingen vorgestellt.

Die Landeskirche will damit Stellung zu einem Thema von «politischer, öffentlicher, aber auch persönlicher Brisanz» nehmen, wie sie in einer Mitteilung vom 2. September schreibt. Anlass dafür sei die Sorge über eine gesellschaftliche Entwicklung, «die das geplante, vorzeitige Aus-dem-Leben-Scheiden als normale Option für das Lebensende akzeptiert».

Als Orientierungshilfe gedacht

An der Buchvernissage sagte Kirchenratspräsident Wilfried Bührer, die Debatte über den begleiteten Suizid dürfe nicht unwidersprochen der «Sterbe-Lobby» überlassen werden. «Niemals darf ein gesellschaftlicher Erwartungsdruck zum Sterbeentscheid führen.» Demgegenüber wolle das Buch eine Orientierungshilfe geben, die sich am Glauben an Gott und der Ehrfurcht vor dem Leben ausrichte.

Hauptreferent Andreas Kruse, Leiter des Gerontologischen Instituts der Universität Heidelberg, betonte in seinem Vortrag die Verletzlichkeit als Merkmal der menschlichen Existenz. Er fragte, inwieweit die Gesellschaft bereit sei, sich auf diese Verletzlichkeit einzulassen. «Selbstmord ist ein soziologisches Problem und bedeutet immer ein Versagen von Gesellschaft und Kultur», sagte Kruse gemäss Mitteilung.

Die Publikation Den Weg zu Ende gehen ist unter der Leitung der Thurgauer Allgemeinärztin Christine Luginbühl entstanden und enthält neben Fachbeiträgen auch persönliche Erfahrungsberichte von Angehörigen. Das Werk richtet sich an interessierte Laien und kirchliche Mitarbeitende. (no)

 

Das Buch Den Weg zu Ende gehen. In der Begegnung mit dem Sterben Lebendigkeit erfahren kann beim Verein Tecum bestellt werden. Einzelne Module können auf der Website der Evangelischen Landeskirche Thurgau heruntergeladen werden.

Eine ausführliche Rezension ist am 30. August in bref, dem Magazin der Reformierten, erschienen.