Missbrauchsvorwürfe

Theologe nimmt Anselm Grün nach Kritik in Schutz

Der katholische Theologe Anselm Grün habe sich immer der «Wirklichkeit sexualisierter Gewalt gestellt», sagt sein Arbeitskollege Wunibald Müller. Grün soll in den 1990er-Jahren geholfen haben, die Taten eines übergriffigen Geistlichen zu vertuschen.

In einem schriftlichen Statement hat Wunibald Müller Pater Anselm Grün gegen den Vorwurf verteidigt, er habe sich für die Versetzung eines Sexualstraftäters von Paderborn nach Würzburg eingesetzt (ref.ch berichtete). Müller ist seit 1991 Leiter des Recollectio-Hauses, das von Grün mitbegründet wurde und in dem sich der betreffende Geistliche eine Zeit lang zurückgezogen hatte.

Müller schreibt: «Anselm Grün ging bei seinem Gespräch mit Personalverantwortlichen davon aus, dass von dem besagten Priester keine Gefahr für Übergriffe gegenüber Minderjährigen ausgeht», wie «Publik Forum» meldet. Wer einen anderen Eindruck erwecke, werde Pater Anselm Grün nicht gerecht, heisst es weiter.

Denn anders als die katholische Kirche, die laut Müller «oft über lange Zeit weggeschaut» habe, habe sich Grün und das Recollectio-Haus «der furchtbaren Wirklichkeit sexualisierter Gewalt im Kontext der Kirche gestellt».

Es gebe laut Müller innerkirchlich keine andere Einrichtung, die sich in den vergangenen 30 Jahren so unerschrocken dafür stark gemacht habe, dass die offizielle Kirche zuerst die Opfer sehe und tue, was nötig sei, um sexualisierte Gewalt in der Kirche gegenüber Minderjährigen und Erwachsenen zu verhindern, schreibt das «Publik-Forum». Das Recollectio-Haus bietet katholischen Geistlichen Auszeiten an, die von Psychotherapeuten und Geistlichen begleitet werden.

Anlass der Kritik an Grün ist der aktuelle Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der deutschen Erzdiözese Paderborn. Darin wird Grün wegen seines Umgangs mit einem Priester kritisiert, der sexuelle Handlungen an einem damals 16-Jährigen eingeräumt hatte und per Strafbefehl verurteilt wurde.

Laut der Untersuchung hatte sich Grün bereit erklärt, den übergriffigen Geistlichen in das Benediktinerkloster aufzunehmen, dem er vorsteht. Bis zum nächstmöglichen Zeitpunkt der Aufnahme ins Kloster könne der Geistliche in einer anderen Diözese als Seelsorger arbeiten. (dst)

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