Syrien

Todesstrafe gegen Baschar al-Assad verhängt

Syriens Ex-Präsident Baschar al-Assad hat sich nach seinem Sturz nach Russland abgesetzt. Nun wurde er von einem syrischen Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. In Damaskus kam es zu Freudenbekundungen.

Ein syrisches Gericht hat den gestürzten Präsidenten Baschar al-Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ihm wurde vorsätzlicher Mord an mehreren Menschen, Folter, willkürliche Inhaftierung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Assad hält sich derzeit in Russland auf, das ihn bislang nicht an Syrien ausgeliefert hat. Das Urteil des vierten Strafgerichts in der Hauptstadt Damaskus wurde live im syrischen Staatsfernsehen verlesen.

Neben Assad wurde ebenfalls sein Cousin Atef Nadschib zum Tode verurteilt. Als früherem Chef für Sicherheit in der südlichen Stadt Daraa wurden ihm laut Anklage Verbrechen gegen das syrische Volk vorgeworfen, darunter «systematischer Massenmord» und willkürliche Verhaftungen.

In Daraa hatten 2011 die friedlichen Aufstände gegen Assad begonnen, nachdem Jugendliche regierungskritische Graffiti an die Wände ihrer Schule gesprüht hatten und festgenommen wurden. Daraus entwickelte sich der fast 14-jährige Bürgerkrieg. Nadschib ist einer der wenigen Schlüsselfiguren der Assad-Regierung, die selbst in Syrien vor Gericht steht.

Jubel vor dem Gerichtsgebäude

Auch Assads Bruder Mahir al-Assad sowie weitere Vertreter der gestürzten Regierung wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ihnen wurden vorsätzlicher und geplanter Mord sowie Folter mit Todesfolge zur Last gelegt.

Vor dem Justizpalast in Damaskus versammelten sich während der Urteilsverkündung Dutzende Menschen. Nach dem Todesurteil gegen Nadschib brachen Jubel und Freudenschreie aus, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Einige Menschen hielten Bilder von Personen hoch, deren Tod Nadschib vorgeworfen wird. Auch in Daraa hat es Augenzeugenberichten zufolge Freudenbekundungen gegeben.

Vollstreckung des Urteils scheint unwahrscheinlich

Die Verfahren sind Teil einer Reihe von Prozessen gegen prominente Vertreter der früheren syrischen Assad-Regierung. Als die Rebellenallianz im Dezember 2024 kurz vor der Hauptstadt Damaskus stand, floh Machthaber Assad mit seiner Familie nach Russland. Berichten zufolge soll sich sein jüngerer und als brutaler «Schlächter» bekannter Bruder Mahir ebenfalls nach Moskau abgesetzt haben.

Bisher scheint eine Vollstreckung der Strafen unwahrscheinlich. Sollten Baschar al-Assad und sein Bruder jemals gefasst oder ausgeliefert werden, wartet auf sie in Damaskus umgehend der Strafvollzug oder ein neuer Prozess. (sda/ dpa/ no)

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