Synode ZH: Sparsuppe wird nicht so heiss gegessen

Die Synode der reformierten Zürcher Kirche macht den Weg frei für Kirchgemeindeparlamente, die nach Grossfusionen die Versammlungen ersetzen können. Kirchenrat Fritz Oesch skizzierte zudem, wie der Sparauftrag von 4,5 Millionen dieses Jahr umgesetzt werden kann.

Blick in den Saal des Zürcher Rathauses.
Blick in den Saal des Zürcher Rathauses. (Bild: ref.ch)

Zu Beginn der Synode am Dienstag in Zürich informierte Kirchenrat Thomas Plaz über die Zukunft des Bildungsprojekts «Stadtakademie». Den Antrag zum ehrgeizigen Projekt mit einer zentralen, reformierten Bildungsstätte in Zürich hatte die Synode 2014 an den Kirchenrat zurückgewiesen.

Aus diversen Gründen verzichte man nun auf die Stadtakademie, so Plaz. Das Anliegen, reformierte Inhalte zu vermitteln, werde aber anderweitig aufgefangen, zum Beispiel über die neue Abteilung «Lebenswelten» der gesamtkirchlichen Dienste. Die Ziele der Stadtakademie gingen zudem auch im Projekt «Reformationsjubiläum» auf.

Danach wandten sich die Synodalen der «Teilrevision des Kirchengesetzes» zu, wie es in Parlamentsdeutsch heisst. Hintergrund: Ende September 2014 hatten die Kirchbürger der Stadt Zürich einer Fusion zu einer einzigen Kirchgmeinde mit 90’000 Mitgliedern zugestimmt. Die herkömmliche Versammlung ist für solche Riesengemeinden nicht mehr geeignet. Der Kirchenrat empfiehlt deshalb dem Regierungsrat, Kirchgemeindeparlamente im Kirchengesetz einzuführen (was dann der Kantonsrat debattieren und bewilligen muss).

«Dann wäre der Letzigrund endlich einmal voll»

Gemäss Kirchenratspräsident Michel Müller ist ein Parlament effizienter, günstiger und demokratischer und auch keine «Schattensynode». Man habe diskutiert, ob man bei der Versammlung bleiben und einen jährlichen Kirchentag abhalten solle «im Hallenstadion oder im Letzigrund, der dann endlich mal voll wäre», so Müller. Man sei aber davon abgekommen, es sei zu aufwändig und zu kompliziert.

Die Synode war grossmehrheitlich einverstanden. Die Geschäftsordnung sah dafür aber keine Abstimmung vor, da kein Gegenantrag gestellt worden war. Einige Synodale reagierten erstaunt, doch Synodepräsident Kurt Stäheli beharrte auf den Spielregeln. Nach kurzer Diskussion über die Tücken des Parlamentsbetriebs fand sich die Synode damit ab.

Eine Million sparen beim Personal

«Finanzminister» und Kirchenrat Fritz Oesch informierte dann zum Budget 2015. Die Synode hatte dem Kirchenrat im Dezember 2014 einen Sparauftrag von 4,5 Millionen Franken aufgedrückt. Gemäss Oesch hat der Leitungskonvent nun dem Kirchenrat «Sofortmassnahmen» für die Rechnung 2015 unterbreitet.

Gemäss diesen soll beim Personal eine Million gespart werden, und zwar ohne Kündigungen. Beim Sachaufwand sind Einsparungen von 400’000 Franken vorgesehen, bei den Beiträgen, die nicht vertraglich gebunden sind, 800’000 Franken und bei den Abschreibungen 100’000. Zudem rechne man beim Kloster Kappel mit Mehreinnahmen von 800’000 Franken.

So könne 2015 ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden, was für den Kirchenrat das Ziel der Einsparungen sei. Der Sparauftrag von 4,5 Millionen ist nicht umsetzbar (die Massnahmen entlasten die Rechnung «nur» um 3,1 Millionen). «Wir wollen keine Hauruck-Übungen und das Personal nicht noch weiter verunsichern», begründete Oesch. Synodepräsident Stäheli doppelte nach: «Die Sparsuppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie uns die Synode im Dezember eingebrockt hat.»


Weitere Geschäfte:

  • Die Synode genehmigte eine Teilrevision der Synode-Geschäftsordnung. Damit wird unter anderem der Papierkrieg rund um die Synode eingedämmt.
  • Die Synode nahm einen Bericht über das Verhältnis der Landeskirchen zu den nicht deutschsprachigen evangelischen Kirchen zustimmend zur Kenntnis.
  • Die Synode bewilligte eine Fristverlängerung (bis Ende März 2016) zur Beantwortung eines Postulats zum Projekt «KirchGemeindePlus».
  • Eine Motion mit dem Ziel, dass eine Mehrheit der Kirchenräte keine Pfarrer sein dürfen, wurde nicht überwiesen (54 Nein zu 39 Ja).
  • Der Synodale Helmuth Werner rollte in einer Erklärung die Geschichte seiner 15-tägigen Untersuchungshaft auf, beklagte sich über «Rufmord und Lynchjustiz» und forderte den Rücktritt des Kirchenratspräsidenten.