Es wird eng: Zürcher Reformierte müssen 4,5 Millionen sparen

Hauptgeschäft der Synode in Zürich war das Budget 2015, das die Synodalen nach emotionalen Diskussionen und einer gewichtigen Änderung genehmigten. Es sieht einen Überschuss von rund einer Million Franken vor, der aber nur möglich ist dank eines Sparauftrags von 4,5 Millionen Franken, den die Synode dem Kirchenrat aufdrückte.

Rathaus Zürich: Hier tagt die Synode.
Rathaus Zürich: Hier tagt die Synode. (Bild: Wikimedia/Roland zh)

Das Budget 2015 war das alleinige Thema an der Synode vom Dienstagmorgen, und es hatte es in sich. Der Kirchenrat wollte einen Sparposten von drei Millionen Franken budgetieren, um den Verlust auf eine knappe halbe Million zu begrenzen. Nun wurde er von der Synode aber noch überholt, die auf Wunsch der Finanzkomission den Posten auf 4,5 Millionen heraufsetzte. Kirchenrat und Finanzchef Fritz Oesch nannte dieses Sparziel «übermütig».

Die Meinungen dazu wogten in der Synode hin und her. Die einen beschworen das Ende der Kirche, denn wenn das Eigenkapital weiter in diesem Mass schrumpfe, sei mit der Kirche schon kurz nach dem Reformationsjubiläum 2019 Schluss. Man müsse den Gürtel enger schnallen. Die anderen warnten vor einem Kahlschlag: Der Gürtel erwürge einen, wenn er zu eng geschnallt werde. Und dass das Gürtel-enger-Schnallen einfach eine bekömmliche Fitnesskur sei, nannte der Synodale Matthias Reuter schlicht einen «kapitalistischen Quatsch». Für den Synodalen Willi Honegger überdeckten die Finanzfragen aber bloss die inhaltlichen. Es brauche eine völlige neue Gestalt der Kirche, zumal die beiden Finanzpferde nicht mehr zögen: eines sei müde (die Kirchensteuer juristischer Personen), das andere störrisch (die Staatsbeiträge).

Die Vernunft der Synode

Vor der Abstimmung meinte Oesch, er vertraue auf die Vernunft der Synode, worauf diese das neue Sparziel von 4,5 Millionen mit 56 Ja gegen 42 Nein gegen den Kirchenrat guthiess. Kirchenratspräsident Michel Müller sagte, er wisse noch nicht, wo man diese 4,5 Millionen nun einsparen solle. Alles müsse nun neu angeschaut werden. Allerdings: «Die Stadtakademie kommt so nicht, und jetzt überhaupt nicht.»

Bei der Detailberatung des Budgets wurde es noch emotionaler. Der Synodale Michael Wiesmann verlangte, dass der evangelischen Sekteninformationsstelle Relinfo 10’000 Franken von budgetierten 35’000 abgezwackt und der Streetchurch gutgeschrieben werden sollten. Relinfo hatte sich offenbar mit kritischen Interviews zu Freikirchen hervorgetan, was Wiesmann gar nicht schmeckte. Zudem hatte die Landeskirche die 120’000 Franken an die Streetchurch 2014 gestrichen, mit dem Hinweis, der reformierte Stadtverband Zürich werde den Betrag zukünftig zahlen. Davon habe die Streetchurch gemäss Wiesmann bis dato aber nichts gesehen.

Michel Müller platzte der Kragen

Die Synode nahm Wiesmanns Antrag überraschenderweise an, worauf Michel Müller der Kragen platzte. Man habe mit anderen Kantonalkirchen die Finanzierung von Relinfo erfolgreich ausgehandelt und die Zürcher Beiträge deshalb reduzieren können. Die grundsätzliche Arbeit von Relinfo werde nun gefährdet. Er verspüre «eine gewisse Bitterkeit», so der sichtlich erzürnte Müller.

In der Folge stellte ein weiterer Synodaler einen Rückkommensantrag, und die Synode stimmte nochmals ab, da sie erst jetzt relevante Informationen zum Hintergrund von Relinfo hatte. Resultat: Relinfo wird nichts gestrichen, aber die Streetchurch erhält auch nichts.

Am Schluss der Synode erklärte der Synodale Peter Schmid, dass die Zeitung «reformiert.» mit einer Umfrage zum Alterssuizid den Auftrag der Verkündigung verletzt und nicht im Sinne der Nachfolge von Jesus Christus gehandelt habe. Worauf Kirchenrätin Irene Gysel betonte, dass Schmid eine dogmatische Ansicht von Reformiertsein vertrete. Es gebe auch säkulare Reformierte, die nicht so eng wie er glaubten und trotzdem gut reformiert seien.