Deutschland

Studie über Missbrauch in der evangelischen Kirche gestartet

Die Evangelische Kirche in Deutschland will sexuellen Missbrauch und Grenzverletzungen in den eigenen Reihen aufarbeiten. Dazu hat sie nun ein umfangreiches Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Ergebnisse der Studie sollen im Herbst 2023 vorliegen.

Ein unabhängiger Forschungsverbund hat mit der Untersuchung von Strukturen und Mustern sexualisierter Gewalt und Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche begonnen. Ziel des Forschungsprojektes sei eine Gesamtanalyse evangelischer Strukturen und systemischer Bedingungen, die sexualisierte Gewalt begünstigen und ihre Aufarbeitung erschweren, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am 4. Dezember in Hannover mit. Mit der Untersuchung soll eine empirische Basis für weitere Aufarbeitungsschritte entstehen. Ergebnisse der Studie sollen im Herbst 2023 vorliegen.

Der Präsident des EKD-Kirchenamtes in Hannover, Hans Ulrich Anke, betonte, dass alle 20 evangelischen Landeskirchen hinter der Studie stünden. «Von der Aufarbeitungsstudie erhoffen wir uns, ein umfangreiches Bild über Fehler der Vergangenheit und Gegenwart sowie besondere Risiken zu bekommen, um unsere Gemeinden und Einrichtungen zu einem noch sichereren Ort für Kinder und Jugendliche zu machen», sagte er. Die EKD beteiligt sich finanziell mit 3,6 Millionen Euro an der Studie.

Teil eines 11-Punkte-Plans

Die Studie soll aus fünf themenbezogenen Teilprojekten bestehen. Der Forschungsverbund wird von Professor Martin Wazlawik von der Hochschule Hannover koordiniert, der sich auf Kinder- und Jugendhilfe spezialisiert hat. An dem Forschungsverbund «ForuM» sind neben der Hochschule Hannover die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, die Bergische Universität Wuppertal, die Freie Universität Berlin, das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim sowie die Universität Heidelberg beteiligt.

Das Forschungsvorhaben überzeuge durch die Interdisziplinarität der Forschenden und das Element der Betroffenenpartizipation, sagte der neue Sprecher des Beauftragtenrates der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, Christoph Meyns, der auch Braunschweiger Landesbischof ist. Denn eine wissenschaftliche Aufarbeitungsstudie könne ohne die Mitwirkung Betroffener keine aussagekräftigen Ergebnisse liefern.

Mit der wissenschaftlichen Studie wird ein weiterer Punkt des auf der EKD-Synode 2018 beschlossenen 11-Punkte-Plans umgesetzt. Die Gründung eines Betroffenenbeirats sowie die Verabschiedung einer Gewaltschutzrichtlinie sind ebenfalls unter den Punkten. (epd/no)