Psychologie

Studie: Religiöse Rituale stärken soziale Bindungen

Die Ausübung religiöser Rituale setzt laut einer neuen Studie chemische Stoffe frei, die soziale Bindungen stärken und die Schmerzschwelle erhöhen.

Forschende der britischen Universität Oxford Brookes haben in 24 Feldstudien mit Gläubigen im Vereinigten Königreich und in Brasilien den Einfluss religiöser Rituale auf die Psyche untersucht. Die in der Fachzeitschrift «Proceedings of the Royal Society B» publizierte Untersuchung weist nach, dass der Besuch eines Gottesdienstes sowohl die soziale Verbundenheit stärkt als auch die Schmerzschwelle senkt.

Die Teilnehmer beantworteten vor und nach dem Gottesdienst einen Fragebogen zu ihrem Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe. Eine Frage lautete beispielsweise: «Wenn Sie an alle Anwesenden denken, wie sehr vertrauen Sie den anderen Mitgliedern dieser Gruppe?»

Um die Schmerzschwelle zu messen, wurde den Teilnehmern vor und nach dem Gottesdienst eine Druckmanschette angelegt und langsam aufgepumpt, bis diese angaben, ein «deutliches Unbehagen» zu verspüren.

Das Ergebnis: Das Gefühl sozialer Verbundenheit war nach dem Ritual höher als zuvor, ebenso die Schmerzschwelle. Positive Gefühle wie Freude, Gelassenheit und Vergnügen nahmen leicht zu, während negative Emotionen abnahmen.

«Wir haben festgestellt, dass Menschen umso leichter Bindungen zu anderen aufbauen konnten, je stärker sie sich während des Rituals mit Gott verbunden fühlten», sagte Valerie van Mulukom, Mitautorin der Studie.

Die Psychologin erklärt sich die Resultate mit einer Theorie des britischen Evolutionsbiologen Robin Dunbar. Demnach haben Menschen Verhaltensweisen entwickelt, die es ihnen ermöglicht, dieselben chemischen Stoffe wie bei persönlichen Interaktionen freizusetzen, allerdings in grösserem Massstab, erläuterte van Mulukom, Psychologin an der Universität Oxford Brookes. Dazu gehörten etwa synchronisierte Bewegungen, gemeinsames Singen, gemeinsames Musizieren oder das Wissen, dieselben Überzeugungen zu teilen.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass das Gefühl sozialer Verbundenheit durch die Ausschüttzung von vom Körper natürlich produzierten Opioiden wie Beta-Endorphinen steigt.

Daneben gebe es «etwas in den Überzeugungen, die diese Menschen in ihre Identität integrieren, das sie stärker miteinander verbindet», fügte sie hinzu. «So wie ich mich bei einer Demonstration gegen fossile Energien wahrscheinlich stärker mit den anderen Teilnehmern verbunden fühle, weil dies meinen Überzeugungen und Prinzipien entspricht, als bei einem Konzert, obwohl ich dort vermutlich stärker synchron singe und mich bewege.» (sda/ eba)

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