Stadtzürcher Kirchgemeinden wird Erpressung vorgeworfen

Ein Rekurs gegen die Auflösung des Zürcher Stadtverbandes blockiert die Fusion der reformierten Stadtzürcher Kirchgemeinden. Nun geraten die beiden Rekurrenten, Witikon und Hirzenbach, unter Beschuss. Von «Erpressung» und «Zwängerei» ist die Rede - und von Kosten in Millionenhöhe.

Ziehen die Gewitterwolken über der geplanten Fusion der Stadtzürcher Kirchgemeinden nicht schnell vorüber, könnte es teuer werden. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Mit einem Rekurs wollen die beiden Kirchgemeinden Witikon und Hirzenbach verhindern, dass der Reformierte Zürcher Stadtverband aufgelöst wird. Somit verzögert sich womöglich auch die geplante ­Fusion von 32 Kirchgemeinden zu einer grossen Stadtzürcher Kirchgemeinde auf den 1. Januar 2019. Wegen dieses Vorgehens hagelt es nun Kritik. Besonders auch deshalb, weil nach Schätzungen von Insidern eine Verzögerung der Fusion wohl Millionen kosten würde. «Das könnte sehr teuer werden», sagt Ueli Schwarzmann, Mitglied der Zentralen Kirchenpflege des Verbands der stadtzürcherischen evangelisch-reformierten Kirchgemeinden. Eine Zahl will Schwarzmann zwar nicht nennen, doch «nur schon das Honorar für Juristen und diverse Sitzungen von Behördenmitgliedern betreffend den Rekurs» würden nicht nur viel Geld, sondern auch Kraft kosten.

Selber mit Steueraufkommen zurechtkommen

Für das Vorgehen der Kirchgemeinden Witikon und Hirzenbach, welche die Fusion als einzige abgelehnt hatten, hat Schwarzmann denn auch kein Verständnis. «Seine Interessen auf diese Weise durchzusetzen, halte ich für Erpressung.» Geht es nach ihm, können die beiden Kirchgemeinden durchaus selbständig bleiben. «Dann sollen sie aber auch konsequent sein und mit ihrem eigenen Steueraufkommen innerhalb der Gemeinde zurechtkommen.»

Laut Schwarzmann wollen Witikon und Hirzenbach nicht nur von den Steuereinnahmen der gesamten Grosskirchgemeinde profitieren, sondern auch von deren Liegenschaftsvermögen. «Dieser Anteil geht in die Millionen», sagt er. Geht es nach Schwarzmann, sollten bei den Verhandlungen deshalb möglichst wenige Zugeständnisse gemacht werden.

Demokratischer Entscheid soll respektiert werden

Michael Braunschweig, Präsident der Kirchenpflege der Zürcher Kirchgemeinde Industriequartier, bezeichnet das Vorgehen von Witikon und Hirzenbach als «Zwängerei». Er könne zwar verstehen, dass sie alle Register zu ziehen versuchten. «Doch ich wünschte mir, dass die beiden den demokratisch gefällten Entscheid der anderen Kirchgemeinden ­respektieren», sagt er. Sollte der Stadt­verband nicht aufgelöst werden können, wäre der Reformprozess gelähmt. Welche Mehrkosten dadurch entstünden, kann Braunschweig nicht sagen. «Ich hoffe noch immer, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann.»

Der Stadtverband selbst hält sich bei der Bezifferung von Mehrkosten bedeckt. «Zu den Kosten eines möglichen Verzugs lassen sich noch keine Angaben machen», sagt Mediensprecher Fabian Kramer. Es ergäbe sich aber ein administrativer Mehraufwand, den noch niemand genau errechnet habe. Kramer sieht indes noch immer Chancen auf eine Einigung. Witikon und Hirzenbach wollen sich nicht zur Sachlage äussern.