Er soll der digitale Opferstock der Zukunft sein: Der Spend-O-Mat der Offenen Kirche Elisabethen in Basel, einer Citykirche für alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft oder Religion. Doch grosse Spenden blieben in den ersten drei Monaten seit seiner Einführung aus. «Ein Blick in die Abrechnungen zeigt, dass die meisten Leute fünf Franken spenden, vermutlich um den Automaten mal auszuprobieren», sagt Pfarrer und Geschäftsführer Frank Lorenz. Am Gerät könne maximal ein Betrag von 385 Franken überwiesen werden.
Zu den Gründen, warum der Spend-O-Mat bis jetzt nur wenig Anklang findet, sagt Lorenz: «Traditionelle Christen, also aus der Orthodoxie, traditionelle Katholiken aus Afrika oder Südosteuropa sind sehr skeptisch gegenüber dem Gerät. Sie lehnen alles technisch Aussehende in einer Kirche ab. Gegen den alten Opferstock haben sie jedoch nichts.»
Angst vor Ökonomisierung der Kirche
Auch unter den Reformierten gäbe es Skepsis gegenüber dem Opferstock für Kreditkarten: «Insbesondere kritische Geister reagieren verstört und argumentieren gegen eine vermeintliche Ökonomisierung, gegen eine ‹paychurch›, weil sie eine Korrumpierung der Kirche vermuten», sagt Lorenz.
Manchmal würden sie – vermeintlich passend dazu – die Geschichte der Tempelreinigung durch Jesus ins Feld führen. «Wir weisen dann immer darauf hin, dass Jesus mit dieser Aktion nur den freien Zugang zu Gott für alle, reich und arm gleichermassen, sicherstellen wollte, und sich gegen die horrenden Steuern des Herrschers und der Priesterkaste wehrte.» Als Sohn eines selbständigen Handwerksmeisters habe er aber nicht gegen Ökonomie argumentiert.
Lorenz betont, dass die Offene Kirche auf Spendengelder angewiesen ist. «Wir bekommen nur einen Viertel unseres Jahres-Finanzbedarfes von unseren Trägerkirchen, den Rest müssen wir selber erwirtschaften», sagt Lorenz.