Jugend-Initiative

Sie bringen frischen Wind in die Kirche

Kleine Kirchgemeinden haben oft nicht die Ressourcen, um attraktive Angebote für Jugendliche zu gestalten. Eine Gruppe von jungen Leuten in der Baselbieter Kirche will das ändern und übernimmt selbst Verantwortung.

Jugendliche aus dem Baselbiet präsentieren das Logo des neu gegründeten Jugendrates. (Bild: ZVg)

Die Klage ist seit Jahren zu hören: Die reformierte Kirche verliert nicht nur Mitglieder, sie wird auch immer älter. Dieser Entwicklung will eine Gruppe von Jugendlichen in der reformierten Kirche Basel-Landschaft nicht tatenlos zusehen. «Aufgrund der Altersstruktur sind viele Angebote unserer Kirche auf Senioren zugeschnitten. Die Stimme von uns Jugendlichen wird zu wenig gehört», sagt Arwen Graf.

Die 16-Jährige ist die erste Präsidentin des neu gegründeten Jugendrates der Baselbieter Kirche. Entstanden ist die Idee für ein Gremium, das die Anliegen der Jugendlichen vertritt, an der Fokussynode im vergangenen Herbst. Auf Einladung des Kirchenrates setzten sich junge Leute aus den Kirchgemeinden mit Pfarrpersonen an einen Tisch, um über das Thema Jugendarbeit zu diskutieren. «Ich fand das toll und habe den Vorschlag gemacht, diesen Austausch fortzuführen», sagt Graf.

«Wir wollen uns auch kirchenpolitisch Gehör verschaffen.»
Arwen Graf, Präsidentin des Jugendrates.

Angedacht ist ein Gremium mit einem Vorstand und verschiedenen Ressorts wie Jugendgottesdienst, Events, soziale Projekte und Kommunikation. «Es geht uns vor allem darum, Jugendliche aus verschiedenen Kirchgemeinden zusammenzuführen, um gemeinsam etwas zu erreichen», sagt Graf. Zudem wolle man sich kirchenpolitisch Gehör verschaffen. «Wir planen, Mitglieder unseres Rates an die nächste Synode zu schicken, um unsere Arbeit vorzustellen».

Serie: Generationen

In einer Serie beleuchtet die ref.ch-Redaktion das Thema «Generationen». Am Montag, 12. Juni 2023, schreiben Kirchenpolitikerinnen, was sie sich für ihre Enkel wünschen. Zudem tauschen sich eine junge Pfarrerin und ein Gemeindemitglied aus über Anfänge und Abschiede. (red)

Fehlende Ressourcen

Sofort begeistert von der Idee eines Jugendrates war Chiara Salvi. Die 18-jährige Schülerin engagiert sich in ihrer Kirchgemeinde Allschwil-Schönenbuch in der Jugendarbeit. Sie übernimmt im Jugendrat das Ressort Events. «Allerdings muss ich versuchen, alles unter einen Hut zu kriegen, da ich mein Abschlussjahr an der Fachmittelschule absolviere», sagt sie und lacht.

Auch Salvi findet, dass die Angebote für Jugendliche in der Baselbieter Kirche ausbaufähig seien. «Bei uns im Unterbaselbiet ist das vielleicht weniger der Fall. Ich kenne aber andere Kirchgemeinden, die keine Jugendarbeitende haben und entsprechend wenig Angebote für junge Menschen», sagt sie.

«Wir wollen den Jugendlichen nicht reinreden.»
Barbara Strassmann, Jugendbeauftragte der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Landschaft.

Tatsächlich verfügen längst nicht alle Kirchgemeinden über Jugendarbeitende oder eine breite Palette an Jugendangeboten, wie Barbara Strassmann sagt. Sie leitet die Fachstelle für Jugendarbeit der Baselbieter Kirche. «Vor allem im Oberbaselbiet gibt es viele kleine Kirchgemeinden, die nicht die Ressourcen haben, um für Jugendliche etwas zu organisieren», sagt Strassmann. Das Ziel sei nicht, neues Personal einzustellen. «Der Kirchenrat und unsere Fachstelle sind vor allem dazu da, die Jugendlichen dabei zu unterstützen, eigene Projekte anzupacken. Wir wollen ihnen dabei nicht reinreden

Startschuss für den Jugendrat

Am 4. Juni haben sich Jugendliche aus den Baselbieter Kirchgemeinden zur Gründungsveranstaltung des neuen Jugendrates in Liestal getroffen. Anwesend waren auch Kirchenratspräsident Christoph Herrmann und die Jugendbeauftragte Barbara Strassmann. Bei dem Treffen wurden die Ziele des Rates vorgestellt und Ideen ausgetauscht. Unter anderem ist in diesem Jahr ein Wochenende für Jugendliche geplant. Der Rat kommt voraussichtlich am 1. September wieder zusammen. (no)

Grossevent geplant

Wie sich das Projekt finanziert, ist noch offen. Das sei bislang noch nicht angesprochen worden, sagt Chiara Salvi. Als Co-Leiterin eines Jugendtreffs habe sie die Erfahrung gemacht, dass Veranstaltungen wie ein Jugendfest nicht zwangsläufig viel kosten müssen. «Natürlich sind wir bei der Organisation und Durchführung auf Freiwillige angewiesen, die zum Beispiel in der Küche aushelfen».

Salvi hofft deshalb, dass möglichst viele Jugendliche im neuen Rat mitmachen. Gemeinsam wolle man dann Ideen für gemeindeübergreifende Aktivitäten sammeln. Ein erster Event soll bereits in diesem Jahr stattfinden, Salvi schwebt etwas Grösseres vor. «Als Jugendliche wollen wir zeigen, dass wir die Energie und die Ressourcen haben, selbst etwas auf die Beine zu stellen», sagt sie.