«Sea-Watch 4» rettet knapp 100 Menschen aus Seenot

Wenige Tage nach dem Start ihrer Rettungsmission im Mittelmeer hat die «Sea-Watch 4» 97 Migranten aus einem überfüllten Schlauchboot geborgen. Bereits zuvor hatte sie Flüchtlinge aus einem kleineren Schiff an Bord genommen.


Die Zahl der von der «Sea-Watch 4» an Bord genommenen Bootsflüchtlinge wächst täglich. An Sonntag barg das kirchliche Rettungsschiff 97 Menschen aus einem seeuntauglichen Schlauchboot, wie die Organisation «Sea-Watch» mitteilte. Unter den Geretteten waren 28 unbegleitete Minderjährige und neun Kinder mit mindestens einem Elternteil an Bord. Sieben der Kinder waren unter fünf Jahre alt. Die Rettungsaktion fand den Angaben zufolge rund 31 Seemeilen vor der libyschen Küste statt.

Von den 60 Erwachsenen auf dem Schlauchboot waren 13 Frauen. Die Geretteten wurden nach ihrer Bergung von Ärzten untersucht. Die «Sea-Watch 4», die auf eine kirchliche Initiative zurückgeht, setzte danach nach eigenen Angaben ihre Patrouille vor der libyschen Küste fort.

Flüchtlinge von anderem Schiff aufgenommen

Bereits am Samstag hatte das zum Rettungsschiff umgebaute frühere Forschungsschiff sieben Menschen an Bord genommen. Sie wurden zunächst von einem kleineren Schiff gerettet, das die «Sea-Watch 4» um Unterstützung gebeten hatte. An Bord des von «Sea-Watch» und «Ärzte ohne Grenzen» betriebenen Schiffes befinden sich damit inzwischen 104 aus Seenot gerettete Migranten.

Das Schiff war am 15. August vom spanischen Hafen Burriana zu seiner ersten Mission ausgelaufen. Am Freitag erreichte das Rettungsschiff die sogenannte Such- und Rettungszone vor der libyschen Küste. Die Rettungseinsätze fanden nach Angaben der Schiffsbesatzung jeweils in internationalen Gewässern statt.

Kaum Seenotretter unterwegs

Anfang vergangener Woche waren vor der Küste Libyens mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Es handelt sich um das schlimmste Unglück mit Bootsflüchtlingen, das in diesem Jahr bislang bekannt wurde.

Ursprünglich wollte die «Sea-Watch 4» schon im April zu ihrem ersten Einsatz aufbrechen. Der Start hatte sich aber wegen der Corona-Pandemie verzögert. Nach Angaben von «Sea-Watch» sind derzeit kaum Seenothelfer im Mittelmeer unterwegs. Eine staatliche Rettungsmission gibt es nicht. (epd/no)