«Sea-Watch 3» rettet 60 Flüchtlinge aus Seenot

Auch der Winter hält Flüchtlinge nicht auf, sich auf die Flucht übers Mittelmeer zu begeben. Bereits mussten Dutzende gerettet werden.


Das deutsche Rettungsschiff «Sea-Watch 3» hat am 9. Januar 60 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Die erste Rettungsaktion im Jahr 2020 sei in internationalen Gewässern 24 Seemeilen vor der libyschen Küste bei Sabratah erfolgt, teilte die Organisation Sea-Watch auf Twitter mit. Das Schiff suche unterdessen noch nach mindestens zwei weiteren in Seenot geratenen Booten mit Flüchtlingen, die das Aufklärungsflugzeug «Moonbird» gesichtet habe, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Crew habe zudem beobachtet, wie die libysche Küstenwache Menschen von zwei anderen Booten an Bord nahm, um sie zurück nach Libyen zu bringen. «Das ist ein Skandal», sagte Neugebauer. Die libysche Küstenwache sei informiert gewesen, dass die «Sea-Watch 3» bereits auf dem Weg sei und die Geretteten viel effektiver hätte versorgen können.

Viele Boote bei gutem Wetter

Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen lehnen die Rückführung von Flüchtlingen und Migranten nach Libyen vehement ab, weil ihnen dort Inhaftierung, Misshandlung und Hunger drohen. Zudem besteht die libysche Küstenwache, die von der EU unterstützt wird, zum Teil aus Milizionären.

Flüchtlinge und Migranten versuchen laut Sea-Watch auch im Winter, mit Booten nach Europa zu gelangen. «Nach einer langen Schlechtwetterphase haben wir jetzt wieder gutes Wetter, sodass nun sehr viele Boote losfahren», sagte Neugebauer. Die «Sea-Watch 3» ist erst seit 30. Dezember wieder im Mittelmeer im Einsatz. Das Schiff war Ende Juni von italienischen Behörden festgesetzt worden, nachdem Kapitänin Carola Rackete nach langem Warten mit Dutzenden Flüchtlingen ohne Erlaubnis den Hafen von Lampedusa angesteuert hatte. Kurz vor Weihnachten hob ein Gericht die Beschlagnahme auf (epd/bat)