Schweizer Methodisten-Bischof will Spaltung der Kirche verhindern

Nach dem Entscheid der Vereinigten Methodistenkirche, «praktizierte Homosexualität» und gleichgeschlechtliche Partnerschaften weiterhin abzulehnen, steht der Bischof der Schweizer Methodisten vor schwierigen Monaten.

Der Schweizer Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa, Patrick Streiff. (Bild: zvg)

Der Entscheid wird die Methodisten noch über Jahre hinaus beschäftigen – und hat das Potenzial, ihre Kirche zu spalten: Die Vereinigte Methodistenkirche lehnte Ende Februar an ihrer Generalkonferenz im ­US-Bundesstaat Missouri mit 53 Prozent «praktizierte Homosexualität» und gleichgeschlechtliche Partnerschaften weiterhin ab. Auch die Ordination von homosexuellen Menschen bleibt verboten.

Während konservative afrikanische und US-Delegierte über den Entscheid jubelten, war das Unverständnis der liberalen Abgeordneten massiv. So fragte die Delegierte der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz, Christine Schneider, auf Facebook rhetorisch: «Ist das noch meine Kirche?»

Eindringliche Bitte des Bischofs

Die Entrüstung liberaler Methodisten ist offenbar so gross, dass sich der Schweizer Bischof der EMK, Patrick Streiff, Anfang März in seinem Hirtenbrief mit einer eindringlichen Bitte an die Mitglieder der EMK in Mittel- und Südeuropa wandte: «Ich bitte Methodisten, die mit den Entscheidungen der Generalkonferenz Mühe haben, jetzt nicht überstürzt die Kirche zu verlassen.»

Bischof Streiff sagt, er tat dies, um den Eindruck zu verhindern, der Beschluss trete sofort in Kraft. Bis zur Zen­tralkonferenz von Mittel- und Südeuropa im März 2021 gelte die bisherige Kirchenordnung. Nun müssten in den nächsten Monaten viele Gespräche geführt werden darüber, «wer in Zukunft auf welche Art methodistische Kirche sein will», sagt Streiff. «Ob wir das in einer gemeinsamen Organisation sind oder ob wir neue, kreative Wege gehen müssen, wird sich erst nach den Verhandlungen zeigen.»

Spannungen im Bischofsgebiet

Die Frage des Umgangs mit Homo­sexualität wird damit zur Belastungsprobe. Denn dass diese Gespräche schwierig werden dürften, liegt an der Struktur der Methodistenkirche. So ist Streiff nicht nur Bischof der EMK Schweiz, sondern von 16 Ländern, die zur Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa gehören.

Streiff sagt, in seinem Bischofsgebiet gebe es grosse Spannungen betreffend die Fragen der Homosexualität und der Ehe für alle. Während letztere in osteuropäischen Ländern meist abgelehnt werde, befürworte man sie in Westeuropa an manchen Orten. Deshalb seien die Rückmeldungen auf den Entscheid «sehr unterschiedlich». Wegen der Spannungen will er sich nicht zu seiner Einstellung zur gleichgeschlechtlichen Ehe äussern: «Ich habe als Bischof kein Lehramt. Meine Rolle ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Mitglieder miteinander im Gespräch bleiben.»

Bischof Streiff hofft, dass die Kirchenmitglieder trotz ihren unterschiedlichen Ansichten zur Homosexualität merken, wie viel sie verbindet: «Wir dürfen all unsere Gemeinsamkeiten angesichts dieser Streitfrage nicht aus den Augen verlieren.»

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.