Schweizer Methodisten halten Kirchenspaltung für das geringere Übel

Die Vereinigte Methodistenkirche steht aufgrund unterschiedlicher Meinungen über den Umgang mit Homosexualität kurz vor der Spaltung. Schweizer Methodisten nehmen die Entwicklung mit Bedauern zur Kenntnis. Eine friedliche Scheidung sei aber besser als eine schlechte Ehe.

Die Debatte über den Umgang mit Homosexualität hat die Vereinigte Methodistenkirche entzweit. An der Generalkonferenz im Mai könnte es zur definitiven Trennung kommen. (Bild: Keystone/Moritz Hager)

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: So die Haltung vieler Methodisten angesichts der drohenden Spaltung ihrer Kirche. Ein kürzlich ausgearbeiteter Vorschlag sieht vor, dass konservative Gemeinden die Vereinigte Methodistenkirche verlassen können. Eine Trennung sei das «beste Mittel, um unsere Differenzen zu lösen», heisst es in der am 17. Dezember unterzeichneten Erklärung.

Vorausgegangen waren jahrelange Debatten über die Haltung der Kirche zur Homosexualität. Zum Eklat kam es, als die Generalkonferenz der Vereinigten Methodistenkirche im Februar des vergangenen Jahres beschloss, an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber «praktizierter Homosexualität» und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften festzuhalten. Unter liberalen Methodisten löste dies massive Proteste aus – auch in der Schweiz. Nun ist die Stimmung in der Kirche offenbar gekippt.

Zunehmend unversöhnlich

Angesichts der Gräben zeigt man sich nun auch in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz bereit, eine Spaltung in Kauf zu nehmen. Patrick Streiff, Bischof der EMK im Gebiet von Mittel- und Südeuropa, zu dem auch die Schweiz gehört, äussert auf Anfrage zwar sein Bedauern über die mögliche Trennung. Gleichzeitig betont er, dass die Debatte über das Thema Homosexualität zuletzt nicht mehr zielführend gewesen sei. «Die Heftigkeit und Ausschliesslichkeit, mit der an der Generalkonferenz diskutiert wurde, war erschreckend. Als Kirche müssen wir mit schwierigen Themen anders umgehen können.»

Daran stösst sich auch Christoph Schluep, Pfarrer in der Methodistengemeinde Adliswil-Zürich und Leiter der «Regenbogenkirche». «Ich habe kein Bedürfnis, mit Menschen unter einem Kirchendach zu wohnen, die andere aktiv ausschliessen. Eine gute Scheidung ist in meinen Augen besser als eine schlechte Ehe.»

Hoffen auf Zusammenhalt

Schluep glaubt, dass eine Spaltung auch für die EMK in Mittel- und Südeuropa Folgen hätte. «Ich kann mir vorstellen, dass dann nicht wenige konservative Länder unser Bistum verlassen würden.» Das Bischofsgebiet umfasst sechzehn Länder. Laut Schluep sind die Konservativen zum Beispiel in Osteuropa stark vertreten.

Der Vorschlag muss zuerst im Mai dieses Jahres von der Generalkonferenz der weltweiten Kirche bewilligt werden. Dann könnte er frühestens Auswirkungen haben auf die Zentralkonferenz der mittel- und südeuropäischen Länder im März 2021. Erst danach könnten Gebiete oder Gemeinden aus dem Bistum austreten.

Bischof Streiff ist froh, dass diese Zeit zur Verfügung steht. Dadurch könne mit den Mitgliedern des Bistums diskutiert werden, ob und wie man weiterhin gemeinsam Kirche bleiben wolle. «Natürlich hoffe ich, dass die Einheit unseres Bistums zu einem grossen Teil erhalten bleibt.»

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.