Methodisten stehen vor der Spaltung

Weil sie sich im Umgang mit Homosexualität nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können, wollen die weltweiten Methodisten nun konservativen Gemeinden den Austritt ermöglichen. Damit scheint ein Ausweg aus einem seit Monaten schwelenden Konflikt gefunden.

Der unterschiedliche Umgang mit Homosexualität könnte bei den Methodisten zu einer Trennung führen. (Bild: Keystone / Nigel French)

Die Vereinigte Methodistenkirche steht im Streit über den Umgang mit Homosexuellen vor einer Trennung. Konservative Gemeinden sollen mit finanzieller Unterstützung der United Methodist Church eine neue Kirche gründen, erklärte die Kirche am Freitag. Vertreter konkurrierender Fraktionen hätten sich auf diesen Kompromiss geeinigt.

Die verbleibenden Gemeinden würden anschliessend umstrukturiert und seien frei im Umgang mit Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen. Die Generalversammlung müsse dem Entscheid bei ihrem Treffen im Mai noch zustimmen.

Ihre Haltung zu sexuellen Minderheiten beschäftigt die Methodisten seit Jahrzehnten. In den USA haben manche Pastoren gleichgeschlechtliche Ehen gesegnet. Hunderte Methodistengemeinden heissen lesbische, schwule, bi- und transsexuelle Christen willkommen. Konservative US-Kirchenmitglieder und besonders viele Mitgliedskirchen aus Afrika lehnen das aber grundsätzlich ab.

Widerstand in der Schweiz

Einen vorläufigen Höhepunkt hatte der Konflikt bei der Generalversammlung im Februar 2019 erreicht. Die Delegierten beschlossen mit 438 zu 384 Stimmen, an ihren Vorschriften gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen in Partnerschaft lebende schwule und lesbische Pastoren festzuhalten und verschärfte Sanktionen einzuführen. Gerade in der Schweiz hatte sich dagegen Widerstand geregt (ref.ch berichtete).

Der nun mit Hilfe eines Mediators errungene Kompromiss soll den Methodisten den Weg aus dem festgefahrenen Konflikt weisen. Die sechzehn Verfasser und Verfasserinnen des Papiers sind Laien, Pastoren und Bischöfe mit weit auseinandergehenden Haltungen zu sexuellen Minderheiten. Nach Darstellung des kirchlichen Informationsdienstes besteht daher wohl eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Vorlage die innerkirchlichen Auseinandersetzungen «beenden oder zumindest stark reduzieren» werde.

Starke Basis in den USA

Der Methodismus bildete sich im 18. Jahrhundert in England als Erweckungsbewegung. In den USA ist die Methodistenkirche nach dem Südlichen Baptistenverband die zweitgrösste protestantische Kirche. Rund sieben Millionen der mehr als zwölf Millionen Methodisten weltweit leben in den USA. Doch die Gemeinden verlieren dort seit Jahren Mitglieder, wie aus Kirchenstatistiken hervorgeht. In afrikanischen Ländern dagegen gewinnt sie stark dazu.

Das Kompromisspapier trägt den Titel «Protocol of Reconciliation and Grace Through Separation» (Protokoll für Versöhnung und Gnade durch Trennung. (epd/vbu)