Krieg im Nahen Osten
Schweiz will verletzte Kinder aus Gaza aufnehmen
Aussenminister Ignazio Cassis hatte im Rahmen der Uno-Generalversammlung in New York davon gesprochen, kranke Kinder aus Gaza aufzunehmen. Bund und Kantone prüften derzeit eine Aufnahme von zwanzig Verletzten aus dem Gazastreifen, hiess es nun beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Es bestätigte damit verschiedene Medienberichte.
Unklar ist noch, wann und wie die Ausreise aus dem Gazastreifen und der Transfer in die Schweiz erfolgen sollen. Für eine Evakuation ist die Genehmigung Israels notwendig. «Wir spekulieren nicht über mögliche Termine», schrieb das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Involviert in die Operation sind mehrere Stellen von Bund, Kantonen und Spitälern. Allein vier Departemente sowie mehrere Bundesämter und Staatssekretariate sind beteiligt. Für die geplante Ausreise aus dem Gazastreifen ist die Schweiz zudem in Kontakt mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF) und der Rettungsflugwacht (Rega).
Mehrere Kantone interessiert
Die Operation werde mit jenen europäischen Staaten koordiniert, die medizinische Evakuierungen bereits über den EU-Katastrophenschutzmechanismus durchgeführt haben, hiess es in einer Mitteilung des Bundesrats. Beispielsweise Grossbritannien und Italien haben bereits Kranke aus dem Kriegsgebiet in ihre Spitäler überführt. Die Auswahl der Kinder soll in enger Zusammenarbeit mit der WHO erfolgen, die entsprechende Listen von Patientinnen und Patienten führt.
Betreut werden sollen die verletzten Kinder und deren Angehörige in Spitälern und Einrichtungen von «interessierten Kantonen». Es gebe mehrere Kantone, die grundsätzliches Interesse gezeigt hätten, Kinder aufzunehmen und medizinisch zu behandeln, schrieb das SEM.
Rund 4000 kranke und verletzte Kinder
Der Bund übernimmt laut dem Bundesrat die Kosten für die Koordination und den Transport. «Wie hoch diese sein werden, kann noch nicht bestimmt werden, da dies von den konkreten Transportmodalitäten abhängen wird», schrieb das SEM. Die Kosten für die medizinische Behandlung der Kinder werden auf freiwilliger Basis von den Standortkantonen der Spitäler beziehungsweise den Spitälern getragen.
Die WHO hat rund 19'000 Patienten für eine Evakuierung aus dem Gazastreifen registriert. Darunter sind rund 4000 Kinder, von denen viele lebensbedrohlich verletzt oder erkrankt sind und vor Ort nicht angemessen behandelt werden können. Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegt. (sda/ no)