Krieg in der Ukraine
Weltkirchenrat hält an Dialog mit Russisch-Orthodoxer Kirche fest
Für Aufsehen hat vor einiger Zeit ein neues Buch des Moskauer Patriarchen Kyrill gesorgt. Der Sammelband enthält Auszüge aus früheren Predigten und Vorträgen des Oberhaupts der Russisch-Orthodoxen Kirche zum Thema Krieg. Darin ist unter anderem von einer russischen «Pflicht zum Sieg» die Rede. Russland wird als Verteidiger der christlichen Zivilisation dargestellt, während der Westen für Dekadenz und das «Böse» steht (ref.ch berichtete).
Auch der Weltkirchenrat befasste sich mit der religiösen Rechtfertigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Aus Anlass der Publikation bat er den Moskauer Patriarchen um ein Gespräch. Wie der Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm auf Anfrage von ref.ch bestätigt, kam inzwischen ein Treffen mit dem Leiter des Aussenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Antonij, zustande.
Dabei sei auch die neue Publikation angesprochen worden, sagt Bedford-Strohm. Die russische Delegation habe betont, dass es sich nicht um eine eigenständige Publikation des Patriarchen handle, sondern um eine von einem unabhängigen Wissenschaftler zusammengestellte Sammlung. Zudem habe Metropolit Antonij versichert, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche den Begriff eines «Heiligen Krieges» ablehne.
Seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine unterstützt Patriarch Kyrill die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Unter anderem bezeichnete das Weltkonzil des Russischen Volkes unter Kyrills Vorsitz den Krieg gegen die Ukraine als «Heiligen Krieg». Bereits 2022 hatten Theologinnen und Theologen deshalb gefordert, die Mitgliedschaft der Russisch-Orthodoxen Kirche im Weltkirchenrat auszusetzen, was von diesem jedoch abgelehnt wurde.
Nach Angaben Bedford-Strohms bleibt die bisherige Haltung des Weltkirchenrats bestehen. «Es ist besser, unsere kritische Haltung gegenüber der russischen Invasion kontinuierlich in diese Gespräche einzubringen, als sie ganz einzustellen», sagt er. Die Position des Weltkirchenrats gegen eine religiöse Legitimierung des Krieges bleibe klar. «Wir werden den Dialog für ein Ende des Krieges fortsetzen und dabei weiterhin mit prophetischer Klarheit sprechen», sagt Bedford-Strohm.
Der Weltkirchenrat umfasst mehr als 350 Mitgliedskirchen in über 120 Ländern. Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist gemessen an der Zahl ihrer Gläubigen die grösste Mitgliedskirche. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied des Weltkirchenrats, arbeitet aber mit ihm zusammen. (no)