Rita Famos findet bei Thurgauer Kirche kein Gehör

Geht es nach dem Thurgauer Kirchenrat, soll Gottfried Locher Ratspräsident des Kirchenbundes bleiben. Gegenkandidatin Rita Famos wurde bisher nicht angehört. Auch andere Regionalgruppen wollen im Vorfeld der Wahl auf Gespräche mit ihr verzichten.

Stellt sich am 17. Juni zur Wahl: Pfarrerin Rita Famos. (Bild: zVg)

Der Thurgauer Kirchenrat spricht sich klar für die Wiederwahl von Gottfried Locher zum Ratspräsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) aus. Auch die Abgeordneten, die für den Thurgau an der Wahl teilnehmen werden, schliessen sich an. Dies geht aus einer Stellungnahme vom 7. Juni hervor, die ref.ch exklusiv vorliegt.

Die Verfasser begründen ihre Position damit, dass es sich «bei der im letzten Moment lancierten Gegenkandidatur nicht um eine übliche Kandidatur» handle. «Vielmehr ist der Sprengkandidatur eine beispiellose Kampagne gegen den amtierenden Präsidenten vorausgegangen», heisst es in dem Schreiben. Diese habe nicht nur eine Imageschädigung des Präsidenten, sondern auch der Kirche in Kauf genommen.

«Das kann kein Zufall sein»

Auf Rückfrage von ref.ch sagt Wilfried Bührer, Präsident der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau: «Der Artikel von 20 Minuten über die Löhne in der reformierten Kirche, der Beitrag in der Rundschau, die Themenwahl beim Wort zum Sonntag vom letzten Wochenende – das alles kann kein Zufall sein.» Wer hinter der angeblichen Kampagne stecken soll, dazu wollte Bührer keine Vermutungen äussern. Einen Zusammenhang zwischen der Kandidatur von Rita Famos und der Kampagne macht er aber nicht.

Die Frage, ob die Gegenkandidatin vor der Wahl von den Thurgauer Delegierten befragt werden soll oder ob sie dafür bereits eingeladen wurde, wollte Bührer nicht kommentieren. Er sagt: «Jeder kann jederzeit kandidieren. Und ich habe auch nichts gegen Rita Famos. Aber eine unfaire Kampagne gegen einen amtierenden Präsidenten, wie wir sie in den letzten Wochen erlebt haben, darf in keinem Fall Erfolg haben, wer immer auch im letzten Moment als Kandidatin auftritt.»

Auf die Einladung folgte die Ausladung

Gegenüber ref.ch sagt Rita Famos, dass aus dem Thurgau bisher niemand Kontakt mit ihr aufgenommen habe. Auch an die anderen regionalen Vorbereitungstreffen der Deutschschweiz sei sie entweder nicht eingeladen oder aber von ihnen wieder ausgeladen worden. Einzig ein Teil der Delegierten der Romandie habe mit ihr ein – sehr gutes, wie sie sagt – Gespräch geführt.

Dies bestätigt auch die Luzerner Synodalratspräsidentin Ursula Stämmer-Horst für die Zentralschweizer Regionalgruppe. Man habe beide Kandidaten anhören wollen; nachdem Gottfried Locher jedoch abgesagt hatte, sei es ihnen richtig erschienen, auch auf ein Gespräch mit Rita Famos zu verzichten. Vertreter der Ostschweizer Regionalgruppe waren für eine Stellungnahme am Donnerstagabend nicht erreichbar.

Famos weist Vorwurf einer Kampagne zurück

Rita Famos bedauert, dass es nun zu keiner breiten Diskussion um die Zukunft des Ratspräsidiums kommt. «Eine solche zu ermöglichen – fair, besonnen und würdevoll –, das war mein Ziel.» Den Vorwurf, dass ihre Kandidatur die Spitze einer Kampagne gegen Gottfried Locher sei, wie es das Thurgauer Schreiben nahelegt, weist Famos dagegen entschieden zurück. Sie sei persönlich weder Teil einer solchen noch wisse sie irgendetwas darüber.

Ihr sei zwar bewusst, dass ihre Kandidatur sehr knapp gekommen sei. Dennoch sei ihr der Zeitpunkt dafür nach der Debatte um die Verfassungsreform richtig erschienen. Als in diesem Zusammenhang eine Gruppe Reformierter von der Basis auf sie zugekommen sei, habe sie sich zu einer Kandidatur entschlossen – und dazu, eine Auswahl zu bieten. Denn, so ist Famos überzeugt, «das macht doch unser reformiertes Profil aus: Dass wir debattieren, uns andere Positionen anhören und uns alle vier Jahre auch dem Votum der wählenden Gremien stellen.» In diesem Sinne hätte sie sich auf Hearings bei den Abgeordneten der Deutschschweiz gefreut.

Rita Famos hat am 31. Mai gegenüber srf.ch bestätigt, für das Ratspräsidium des SEK zu kandidieren. Noch am gleichen Tag wurde die Kandidatur von der Nominationskommission des Kirchenbundes offiziell zugelassen. Die Wahl findet am Sonntag, 17. Juni, im Rahmen der Abgeordnetenversammlung des SEK in Schaffhausen statt. (bat/vbu/dem)

Stellungnahme Thurgauer Kirchenrat