«Es ist gut, eine Auswahl zu haben» – Stimmen zur Kandidatur von Rita Famos

Neben Gottfried Locher kandidiert nun auch die Pfarrerin Rita Famos für das Präsidium des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). ref.ch hat bei den Spitzen einzelner Kantonalkirchen und beim Kirchenbund nachgefragt, was sie von der Kandidatur halten.

Stellt sich am 17. Juni zur Wahl: Pfarrerin Rita Famos. (Bild: ZVG)

Andreas Thöny, Kirchenratspräsident Graubünden:
«Die Kandidatur von Rita Famos ermöglicht eine Auswahl – und diese begrüsse ich. Zur Kandidatur kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nichts sagen, da ich mir zuerst eine Meinung bilden möchte. Da es sich um eine Personenwahl handelt, will ich unbedingt noch mehr darüber erfahren, wie Rita Famos als Ratspräsidentin die künftige Evangelische Kirche Schweiz gestalten will. Ich hoffe, dass dies an regionalen Abgeordneten-Treffen im Vorfeld der Wahl möglich sein wird. In den vergangenen Wochen haben sich im Zusammenhang mit dem SEK-Ratspräsidium einige Dinge ereignet, die geklärt werden müssen. Die Gegenkandidatur ermöglicht nun diese Debatten, was ich gut finde.» (dem)

 

Andreas Zeller, Synodalratspräsident Bern-Jura-Solothurn:
«In der Berner AV-Delegation erfolgt jeweils eine breite Meinungsbildung. Unsere Delegation trifft sich nächste Woche zu einer Aussprache. Allgemein gilt sicher für Verfechter demokratisch organisierter Kirchen, dass echte, faire Wahlen mit qualifizierten Kandidaturen ein Zeichen der Lebendigkeit und der Vielfalt der Landeskirchen sind.» (dem)

 

Michel Müller, Kirchenratspräsident Zürich:
«Meine erste Reaktion auf die Kandidatur war Erleichterung: zum einen darüber, dass es nun eine Auswahlmöglichkeit gibt, und zum anderen, dass mit Rita Famos eine sehr ernstzunehmende Alternative zur Verfügung steht. Eine so kurzfristige Kandidatur ist ohnehin nur möglich mit einer Person, die bereits national bekannt ist. Das ist bei Rita Famos der Fall. Ich begrüsse ihre Kandidatur, weil Famos ein Modell von personaler Leitung vertritt, das zeitgemässer als jenes von Gottfried Locher ist. Hand aufs Herz: In der letzten Zeit ist im SEK-Präsidium doch einiges schief gelaufen. Kommunikativ und in grundsätzlichen Fragen. Ich glaube, nach vier Jahren Lärm um Bischofstitel und Verhalten sagen sich viele: Jetzt ist genug. Damit können sich Reformierte nicht identifizieren.» (no)

 

Lukas Kundert, Kirchenratspräsident Basel-Stadt:
«Ich will die Kandidatur von Pfarrerin Rita Famos nicht kommentieren.» (pd)

 

Daniel Reuter, Vizepräsident des SEK-Rates:
«Als Vizepräsident des Rates nehme ich die Kandidatur von Rita Famos zur Kenntnis, für die Durchführung ist ohnehin die Abgeordnetenversammlung zuständig. Diese kurzfristige Kandidatur, nach Ablauf sämtlicher Vorverfahren, ist ungewöhnlich. Ich hoffe jedoch, dass die Wahlen jetzt mit Fairness und Respekt durchgeführt werden – und nicht aufgrund von Gerüchten und Mutmassungen. Jetzt haben wir halt eine Kampfwahl ums Präsidium. Der Zürcher Kirchenrat, dem ich auch angehöre, war nicht vorab informiert. Von dem her ist es keine Zürcher Kandidatur. Frau Famos sagte gegenüber reformiert.info, die Diskussion um die Verfassungsreform sei ein Misstrauensvotum gegenüber Präsident Gottfried Locher gewesen. Das sehe ich nicht so. Die Reform wurde in den wesentlichen Grundzügen bestätigt. Es gab selbstverständlich Anpassungen. Es gehört aber zur reformierten Tradition und zum demokratischen Prozess, dass man miteinander streitet und um Lösungen ringt.» (pd)

 

Martin Stingelin, Kirchenratspräsident Baselland:
«Grundsätzlich ist es immer gut, eine Auswahl zu haben. Schade finde ich allerdings, dass die Kandidatur von Rita Famos erst so kurz vor der Wahl bekannt wird – die Zeit reicht kaum, um beide Kandidierende anzuhören. Bei Frau Famos wäre das wichtig, weil ich persönlich nicht weiss, was sie für ein Programm hat, welche Ideen und Pläne für den SEK sie verfolgt. Doch auch beim Amtsinhaber Gottfried Locher habe ich offene Fragen; ich wüsste sehr gerne, wie er sich zu der Kritik verhält, die in den vergangenen Wochen laut wurde. Aus diesem Grund möchte ich momentan auch noch keine Wahlempfehlung abgeben. Doch auch, wenn die Zeit knapp ist: Eine Verschiebung der Wahl fände ich falsch. Das würde die Kirche blockieren und wäre den Kandidierenden gegenüber unfair.» (vbu)

 

Ursula Stämmer-Horst, Synodalratspräsidentin Luzern:
«Es ist legitim, dass sich mit Rita Famos nun eine Gegenkandidatin zur Wahl stellt. Ich hätte es aber begrüsst, wenn ihre Kandidatur etwas früher gekommen wäre und nicht auf den letzten Drücker. Für mich gibt es keinen Grund, Gottfried Locher nicht wiederzuwählen. Ich bin zufrieden mit seiner Arbeit und habe ihn immer als korrekt und wertschätzend erlebt. Gottfried Locher und der Rat haben meinen Respekt, dass es ihnen gelungen ist, die neue Verfassung vorzulegen. Ich kann auch nicht verstehen, warum die Diskussion um die Verfassungsreform ein Misstrauensvotum sein soll. Das war ein ganz normaler demokratischer Prozess. Die Diskussion um die Verfassung würde ich ohnehin nicht überbewerten. Für mich ist klar, dass der SEK auch nach der Reform ein Verein bleibt und die geistliche Leitung weiterhin auch bei den Landeskirchen und Kirchgemeinden liegt.» (no)