Italien

Rettungsschiff muss drei verschiedene Häfen ansteuern

Die italienischen Behörden haben der Besatzung der «Geo Barents» drei verschiedene Häfen zugewiesen, um gerettete Personen an Land zu bringen. Die Betreiberin des Rettungsschiffes spricht von Schikane.

Am vergangenen Wochenende hat die Besatzung des Rettungsschiffs «Geo Barents» über 460 Menschen im Mittelmeer gerettet. Vier Tage später durften auch die letzten von ihnen das Schiff in der norditalienischen Stadt Livorno verlassen. Zuvor hatten die italienischen Behörden die Besatzung der «Geo Barents» angewiesen, auf der Insel Lampedusa und am Hafen von Marina di Carrara anzulegen.

Die Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen», die das Schiff betreibt, kritisiert die italienischen Behörden dafür. Es gebe keinen ersichtlichen Grund für die Zuweisung verschiedener Häfen, sagte ein Sprecher der Organisation. Es handle sich um eine grausame Behandlung von verletzlichen Menschen.

Es ist das erste Mal, dass die italienischen Behörden einem zivilen Rettungsschiff mehrere Häfen zur Anlandung der Menschen an Bord zuweisen. «Um die Anlandung an einem Ort zu beenden, zu dem man mit dem Auto 50 Minuten braucht, wurden wir zu einer Fahrt von sechs Stunden gezwungen», kritisierte «Ärzte ohne Grenzen».

Derzeit versuchen besonders viele Menschen, Europa über das Mittelmeer zu erreichen. Allein am vergangenen Wochenende unterstützten private Seenotrettungsorganisationen etwa 40 Flüchtlingsboote in Seenot. Viele von ihnen waren in Tunesien gestartet, wo die Behörden immer stärker gegen Menschen aus Ländern südlich der Sahara vorgehen.

Das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Fluchtrouten weltweit, eine seit Jahren geforderte staatliche Seenotrettung gibt es nicht. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mehr als 1'900 Menschen bei der Überquerung gestorben oder werden vermisst. Die Dunkelziffer ist vermutlich weitaus höher. (epd/ pef)