Religionsvertreter gegen Beschneidungsverbot in Island

Island debattiert derzeit einen Gesetzesentwurf, der die Beschneidung bei Jungen verbieten soll. Europäische Religionsvertreter kritisieren das Gesetz, es verletze die Religionsfreiheit.


Europäische Christen, Juden und Muslime kritisieren ein Beschneidungsverbot bei Jungen, das derzeit in Island diskutiert wird. Das Verbot verletze die Religionsfreiheit und signalisiere, dass Juden und Muslime unwillkommen seien, hiess es in einer Erklärung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) vom 15. März, der sich Vertreter des Judentums und des Islams anschlossen.

Beschneidung bei Mann und Frau nicht vergleichbar

In der jüdischen, islamischen und in gewissen christlichen Traditionen, beispielsweise in der eritreischen und äthiopischen Orthodoxen Kirche, sei die Beschneidung von Jungen «ein grundlegendes Merkmal der Religionspraxis», urteilen KEK und CCEE. Die männliche Beschneidung dürfe dabei «nicht mit der grausamen Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung verwechselt werden», die den Körper, die Rechte und Würde der Frauen verletze.

«Die jüdischen, christlichen und muslimischen Organisationen sind sich einig, dass ein Verbot der Beschneidung in Island die Ächtung zweier Weltreligionen, Judaismus und Islam, sowie deren Mitgliedschaft zur Folge hätte», heisst es in der von KEK und CCEE erarbeiteten Erklärung.

Bis zu sechs Jahre Haft

Der Gesetzentwurf sieht gemäss Medienberichten bei Jungen unter 15 Jahren ein Verbot «der vollständigen oder teilweisen Entfernung von Sexualorganen» vor. Wer Beschneidungen nicht aus medizinischen Gründen vornimmt, riskiert demnach Haftstrafen von bis zu sechs Jahren.

Die KEK ist ein ökumenischer Zusammenschluss von über 100 protestantischen, orthodoxen, anglikanischen und altkatholischen Kirchen aus europäischen Ländern. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund ist Gründungsmitglied der KEK. Dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen in St. Gallen gehören 33 römisch-katholische Bischofskonferenzen Europas an. Anfang Februar hatte bereits die Kommission der katholischen Bischofskonferenzen der Europäischen Union das isländische Gesetzesprojekt kritisiert. (epd/pd)