Widerstand gegen Beschneidung aus religiösen Gründen

Jedes Jahr werden in der Schweiz tausende Knaben aus religiösen Gründen beschnitten. Dagegen formiert sich Widerstand. An vorderster Front kämpfen ein Verein, Kinderärzte und Juristen.

Der Verein «Pro Kinderrechte» kämpft gegen die Beschneidung in der Schweiz. (Bild: Printscreen SRF)

Für die einen gehört die Beschneidung zur religiösen Tradition, für die anderen ist sie eine Verstümmelung. Wie ein Fernsehbeitrag der Sendung «Rundschau» des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) am Mittwoch zeigte, formiert sich gegen die Beschneidung Widerstand.

«Was abgeschnitten wird, ist ein hoch sensibler Teil vom Geschlechtsorgan des Mannes», sagt Christoph Geissbühler, Lehrer aus Bern, gegenüber der«Rundschau». Geissbühler hat den Verein «Pro Kinderrechte» gegen Knaben-Beschneidungen gegründet. Gegenwärtig schreibt er die Kinderärzte im Land an. Er will sie motivieren, Beschneidungen nicht mehr durchzuführen.

Spitäler Aarau und Baden: 200 Beschneidungen pro Jahr

In den Spitälern Aarau und Baden sind es rund 200 Knabenbeschneidungen pro Jahr. Davon ein Dutzend wegen Vorhautverengung, die restlichen aus rituellen Gründen. «Die Natur erfindet nichts, was nicht sinnvoll ist», sagt Kinderchirurg Andreas Dietl vom Spital in Baden. In langen Gesprächen versuche er muslimischen Eltern auszureden, ihren Buben beschneiden zu lassen. Meist vergeblich. Dann operiert Dietl trotzdem. Sonst, so sagt er gegenüber der «Rundschau», würden diese Leute zu illegalen Beschneidern gehen.

Auch Juristen haben für diese Erklärung kein Verständnis.  «Es ist indiskutabel, eine Beschneidung ist eine Körperverletzung. Es kommt nicht in Frage, dass man sagt, religiöse Grundsätze wiegen schwerer als Menschenrechte von kleinen Kindern», sagt der emeritierte Strafrechtsprofessor Martin Killias.

 

Hier geht es zum Rundschau-Beitrag.