Reformierte ZH: Seelsorge nicht zentralisieren

An einer Pfarrkonferenz am 26. Juni in Horgen hat der Zürcher Kirchenrat Ergebnisse kommentiert, die aus einer Vernehmlassung zu 2014 durchgeführten Pfarrkonferenzen stammen. Der Kirchenrat steht regionalen Zentren für Seelsorge ebenso skeptisch gegenüber wie die Pfarrschaft.

Der Zürichsee: Im Vordergrund die Halbinsel Au, links dahinter Horgen, ganz hinten Zürich.
Der Zürichsee: Im Vordergrund die Halbinsel Au, links dahinter Horgen, ganz hinten Zürich. (Bild: Wikimedia/RolandZH)

Dies teilte die reformierte Zürcher Kirche am 26. Juni mit. Kirchenratspräsident Michel Müller habe es den gut 300 Pfarrerinnen und Pfarrern an der Konferenz in Horgen deutsch und deutlich gesagt: «Die reformierte Kirche hat mit einem Gesamtbevölkerungsanteil von gut 30 Prozent eine kritische Grenze erreicht, unter der sie ihren Institutionscharakter zu verlieren droht.»

Trotzdem sei sie auf Grund ihrer gesellschaftlichen Verpflichtungen noch weit davon entfernt, einfach eine unternehmerisch handelnde Organisation zu werden. Entscheidend sei, die Zeit zu nutzen, um eine kleiner werdende Kirche zu organisieren. Und deshalb sei es wichtig, zu fragen, was denn diese Kirche sein und tun soll, um weiterhin wirkungsvoll bleiben zu können.

Steinbruch

Vor diesem Hintergrund habe der Kirchenrat mit Genugtuung festgestellt, dass die Pfarrschaft begonnen habe, sich engagiert und kritisch mit der Gesamtverantwortung auseinanderzusetzen. Dabei sei sowohl der Ruf nach klarerer inhaltlicher Perspektive als auch nach organisatorischen Anpassungen für die Kirche erklungen.

Zwar könnten aus der Fülle der Themen und Ideen nicht alle weiterverfolgt werden, doch sei die Ideensammlung ein Steinbruch für die Zukunft, auf den man immer wieder zurückgreifen könne. Die Themen und Ideen entstammen den Ergebnissen der Pfarrkonferenzen, die 2014 im erweiterten Rahmen des Projekts «KirchGemeindePlus» durchgeführt und danach durch eine Vernehmlassung in den Pfarrkapiteln gebündelt worden sind.

Abendmahl nicht jeden Sonntag

Zur Frage nach einer Regionalisierung der Seelsorge, die bereits öffentlich kontrovers diskutiert worden sei, hielt Kirchenrätin Irene Gysel fest, dass die Seelsorge im Zentrum der pfarramtlichen Tätigkeit stehen und nicht an Zentren delegiert werden solle. Die Erreichbarkeit müsse über andere Kanäle verbessert werden. Auch die Seelsorge in den Pflegezentren plane der Kirchenrat mittelfristig in die Regionen zurückzugeben. Sollte sich jedoch ein Seelsorgezentrum als Pilot in der Stadt Zürich verwirklichen lassen, so würde der Kirchenrat dies begrüssen.

Im Bereich Gottesdienst und Kasualien wurden die Vorschläge von den Pfarrern unterschiedlich bewertet: Deutliche Zustimmung fand die Massnahme, in die Gottesdienstarbeit weiter zu investieren, auch wenn die Mittel knapper werden. Die Massnahme, das Abendmahl schrittweise zuerst mindestens einmal im Monat, dann an jedem Sonntag in allen Gemeinden zu feiern, wurde jedoch sowohl von der Pfarrschaft wie auch vom Kirchenrat verworfen.

Kirche plausibilisieren

Kirchenrat Andrea Marco Bianca betonte, dass beim kirchlichen Handeln die Kasualien an erster Stelle stünden. Es gelte es aber auch offen zu sein für neue Formen, beispielsweise für die Feier der «goldenen Konfirmation» oder für alternative Bestattungsformen. Man müsse den Bedürfnissen der Menschen nahe sein, aber auch die Kirche als Organisation plausibilisieren.

Generell zeigten sich die Pfarrerinnen und Pfarrer skeptisch gegenüber einer Regulierung und Überstrukturierung ihrer Arbeit und gegenüber zusätzlichen Sitzungen und Retraiten.