Reformierte BL: Immer wieder die Pensionskasse

Die Synodalen der Reformierten Kirche Baselland haben am 22. November in Liestal das Budget für 2017 sowie die Finanzplanung für die nächsten vier Jahre entgegengenommen. Sorgen bereitete eine neue Deckungslücke in der Pensionskasse.

Waren sich weitgehend einig: Synodale in Liestal bei der Abstimmung. (Bild: Marianne Weymann)

2015 fiel die erwirtschaftete Rendite der Pensionskasse mit knapp einem Prozent sehr viel geringer aus als die veranschlagten drei Prozent. Das bedeutet, dass bei den Renten für die schon pensionierten Versicherten 1,57 Millionen Franken an Kapital fehlen. Kürzungen von schon bestehenden Renten sind nicht erlaubt, deshalb muss die Landeskirche jetzt das Geld aufbringen. Der Betrag soll, so der Vorschlag des Kirchenrats, je zur Hälfte von Landeskirche und Kirchgemeinden finanziert werden. Die Synode stimmte dem Antrag grossmehrheitlich zu.

Die neue Lücke trifft die Landeskirche in einem denkbar ungünstigen Moment: Bis zum Jahr 2024 muss sie schon jährlich 1,5 Millionen für die durch eine Gesetzesänderung notwendig gewordene Ausfinanzierung der Pensionskasse abzahlen. Sorgen macht auch die ungewisse Zukunft der Finanzmärkte: Es ist alles andere als klar, ob die Renditen in den nächsten Jahren besser ausfallen, oder ob neue Lücken entstehen werden. Immerhin sieht es für 2016 im Moment noch etwas besser aus als für 2015.

Nahezu ausgegelichenes Budget

Trotz dieser schmerzhaften Fehlbeträge legte der Kirchenrat einen mit einem geplanten Defizit von 60‘000 Franken nahezu ausgeglichenen Voranschlag für 2017 vor, der von den Synodalen einstimmig angenommen wurde. Für geringere Ausgaben sorgen Einsparungen der Landeskirche, die wegfallenden Kosten für das Tagungszentrum Leuenberg und Stellenreduktionen auf Gemeindeebene. Bei den Einnahmen darf mit einer vorerst unveränderten Kirchensteuer von juristischen Personen gerechnet werden. Der Beitrag der Kirchgemeinden an die Kantonalkirche bleibt unverändert. Dies bedeutet allerdings eine stärkere Belastung dieser Gemeinden, da wegen Mitgliederschwund die Steuereinnahmen sinken. Ebenfalls wegen sinkender Mitgliederzahlen fällt die Subvention des Kantons geringer aus als in den Vorjahren. Das Budget wurde von der Synode einstimmig genehmigt.

Bei der Finanzplanung für die Jahre 2018–2022 nimmt der Kirchenrat an, dass der Haushalt sich bis 2020 in einem «soliden, verantwortbaren Rahmen» bewegt. Danach wird mit massiven Fehlbeträgen gerechnet. Einerseits wegen weiterhin abnehmender Mitgliederzahlen, andererseits wegen der Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform 3 auf die Kirchensteuern der juristischen Personen. Aufatmen könnte die Landeskirche nach diesen Berechnungen erst wieder ab 2025, wenn das Loch in der Pensionskasse gestopft ist (und sich nicht weitere Löcher auftun). Trotzdem ist laut dem verantwortlichen Kirchenrat Christoph Erhardt «Panik jetzt nicht angebracht». Die Kirche müsse allerdings bis 2020 überlegen, wie sie auf die voraussichtlichen Einbussen reagieren wolle. Auch diese Vorlage nahm die Synode einstimmig zur Kenntnis.

Arbeit an der Zukunft

Aber zum Glück ging es in Liestal nicht nur um das Geld. Kirchenratspräsident Martin Stingelin informierte über den Stand der Umsetzung des Visitationsberichts. In diesem wurden nach der Visitation der 35 Kirchgemeinden Handlungsempfehlungen formuliert, an deren Umsetzung jetzt gearbeitet wird. Das ehrgeizige Projekt «Im Vertrauen auf Gott – gemeinsam Zukunft gestalten» wurde in die vier Teilprojekte Struktur, Inhalt, Support und Rechtssetzung aufgeteilt. Die zuständigen Ausschüsse haben die Arbeit aufgenommen oder werden dies demnächst tun. Stingelin forderte auch die Kirchgemeinden auf, sich um neue Strategiekonzepte zu kümmern. Vor allem kleine Gemeinden müssten sehen, wie sie effizienter mit ihrem Nachbarn zusammenschaffen könnten.

Positiv hob Stingelin die Veranstaltung «Feu sacré» hervor, bei der am 5. November rund 250 Kirchenmitglieder in Vorträgen und Workshops über die Erneuerung der Kirche diskutierten. Hier sei «ein Prozess geöffnet» worden. Mehrere Besucher hätten gefragt, ob man so etwas nicht öfter machen könne.

Freiheit als Risiko

Einen inhaltlichen Input gab es von dem Basler Neutestamentler Moisés Mayordomo, der Überlegungen zum Risiko der Freiheit» bei Paulus, den Reformatoren und uns darlegte. Fazit: «Freiheit ist schwer zu erlangen und noch schwerer zu erhalten». Die Reformation habe zwar sehr für die eigene Gewissensfreiheit gekämpft, die der anderen lag ihnen dagegen weniger am Herzen, wie sich nicht nur am Schicksal der Täufer zeige. Bei Paulus sei der Gedanke der Freiheit grundlegend für seine Auslegung des Evangeliums. Allerdings ginge es hier nicht um eine grenzenlose Autonomie des Individuums. Christliche Freiheit sei immer mit der Liebe verbunden, die «den anderen sieht, wie Gott ihn sieht», so Mayordomo.

Keine Mehrheit für «Christusgläubigkeit»

Nicht einlassen wollte sich die Synode auf eine Motion der Synodalen Hanspeter Mohler und Lukas Baumann. Diese wollte den Kirchenrat beauftragen, die Kirchenordnung so anzupassen «dass die Einheit der Christusgläubigen als Merkmal wahrer Kirche formuliert ist». Für den Kirchenrat war das keine Option, wie Matthias Blattner erläuterte. Erstens sei in der vorliegenden Kirchenordnung schon explizit Bezug auf das Evangelium genommen. Zweitens würde mit der kommenden Revision auch die Kirchenordnung neu diskutiert, deswegen mache es keinen Sinn, sie jetzt zu ändern. Drittens sei eine «Definition von Kirche», wie sie in der Motion vorliege, in einer Kirchenordnung «am falschen Platz», denn so etwas gehöre in die Verfassung. Und, last not least, sei und bleibe die reformierte Kirche Baselland eine Volkskirche, während das Wort «Christusgläubigkeit» eine aktive Zuwendung zu Christus und ein Bekenntnis impliziere, was eher freikirchlicher Terminologie entspreche. Die Synode lehnte es mit 38 gegen 5 Stimmen bei 10 Enthaltungen ab, die Motion an den Kirchenrat zu überweisen.