Rassismus erhält durch soziale Medien eine neue Dimension

Diskriminierung und Hassreden gegen Minderheiten haben durch die sozialen Medien Auftrieb erhalten. So haben 38 Prozent der 15 bis 24-Jährigen bereits Diskriminierung im Alltag erfahren. Die Fachstelle für Rassismusbekämpfung will dagegen ankämpfen.


Die Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB) des Bundes fordert geeignete Massnahmen zur Bekämpfung und strafrechtlichen Verfolgung von rassistischer Hassrede im Netz. Diese habe inzwischen ein quantitatives und qualitatives Ausmass erreicht, das die demokratische Auseinandersetzung behindere, stellt die FRB in ihrem neuesten Rassismus-Bericht fest.

Demnach haben seit dem letzten Rapport 2016 mehr junge Menschen Diskriminierung erlebt. Der Anteil stieg seit der letzten Befragung 2016 von 28 auf 38 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg haben 28 Prozent der Befragten Diskriminierung erlebt.

Am meisten werden Diskriminierungsfälle aus der Arbeitswelt gemeldet, entweder aufgrund von Erfahrungen im beruflichen Alltag oder bei der Stellensuche. So wurden 50 Prozent der Personen, die in den letzten fünf Jahren Diskriminierung erfahren haben, in ihrem Arbeitsumfeld oder bei der Stellensuche diskriminiert.

Oftmals subtil

Rassistische Diskriminierung kenne vielfältige Erscheinungsformen und komme in allen Lebenslagen vor, im Alltag etwa in Form von Bemerkungen oder Gesten, die subtil, aber beleidigend seien. Obwohl dieser Alltagsrassismus für die Betroffenen einschränkend und verletzend ist, sei es schwierig, ihn zu benennen und darauf zu reagieren. Rassismusbekämpfung müsse sich deshalb vermehrt mit den Auswirkungen von diskriminierenden Handlungen und Strukturen befassen und sich weniger auf die Absichten konzentrieren.

Positive Aspekte

Eine positive Entwicklung sei in diesem Zusammenhang die zunehmende Präsenz von Personen mit Rassismuserfahrung in zivilgesellschaftlichen Bewegungen. Mit ihren Aktivitäten trügen sie zu einer breiteren gesellschaftlichen Debatte bei, etwa beim Widerstand gegen das Racial Profiling, der Verdächtigung von Personen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit.

Laut Bericht erkennen 59 Prozent der Bevölkerung Rassismus als ernsthaftes Problem an. 55 Prozent sind der Meinung, dass die Integration der Migranten in der Schweiz gut funktioniert.

Die Berichte der FRB sind ein Monitoringinstrument des gesellschaftlichen Zusammenlebens in der Schweiz und dienen Fachpersonen und Interessierten als Nachschlagewerk. Die Datenanalyse der Periode 2017 bis 2018 umfasst die Ergebnisse der Umfrage «Zusammenleben in der Schweiz» des Bundesamtes für Statistik, statistische Daten zu zentralen Lebensbereichen und spezifischen Bevölkerungsgruppen sowie Angaben aus der Beratungspraxis und zu Rechtsurteilen. (sda/no)