Präsidentin von Oberaargauer Kirchgemeinde tritt nach Mobbing-Vorwürfen zurück

Ein Fall von mutmasslichem Mobbing in einer Berner Kirchgemeinde beschäftigt seit einigen Tagen die Öffentlichkeit. Nun hat er eine neue Wendung genommen.


In einem knappen Communiqué informierte der Rat einer Oberaargauer Kirchgemeinde am 16. September über den sofortigen Rücktritt seiner Präsidentin. Grund dafür seien «die über Monate andauernden Anfeindungen und zuletzt die starke Medienpräsenz» gewesen.

Was war geschehen? Am 7. September berichteten die Zeitungen der Tamedia AG über einen Fall von mutmasslichem Mobbing in einer Kirchgemeinde im bernischen Oberaargau. Erhoben hatte die Vorwürfe ein schwules Mitglied des Kirchgemeinderates, das sich wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert fühlte. Die Vorwürfe richteten sich hauptsächlich gegen die Präsidentin des Gremiums (ref.ch berichtete).

«Der Vorwürfe nicht schuldig gemacht»

Nachdem sich der Kirchgemeinderat lange nicht zu dem Fall geäussert hatte, nahm er schliesslich in einer Medienmitteilung vom 13. September Stellung. «Wir haben uns der genannten Vorwürfe nicht schuldig gemacht. Mobbing, Diskriminierung und weiteres in der Art verurteilen wir strikt.»

Zwar habe es zwischen dem betroffenen Mann und der Präsidentin unterschiedliche Ansichten betreffend Homosexualität und Kirche gegeben; es sei deswegen aber nie «zu Diskriminierungen oder ähnlichem gekommen.»

Die Gründe für die angespannte Situation, die auch durch eine Mediation nicht verbessert werden konnte, sieht der Kirchgemeinderat vielmehr bei dem Mann selbst. Nach einer Unstimmigkeit bezüglich eines Kollektenvorschlages habe er sich einem klärenden Gespräch entzogen. Er habe keine Bereitschaft gezeigt, den Konflikt zu lösen. Zudem habe er seit August 2018 an keiner Sitzung mehr teilgenommen und sei seinen Verpflichtungen nur sehr vereinzelt nachgekommen.

Regierungsstatthalter ist involviert

Wie die Berner Zeitung am 17. September berichtet, könnte die Sachlage nun durch den Kanton geklärt werden. Aufgrund einer aufsichtsrechtlichen Anzeige gegen den Kirchgemeinderat muss nun nämlich der Oberaargauer Regierungsstatthalter prüfen, ob das Diskriminierungsverbot verletzt worden ist. (vbu)