Berner Kirchen

Positionspapier zeigt Differenzen bei Ehe für alle

Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (RefBeJuSo) und drei evangelische Gemeinschaften haben ein Papier zur kirchlichen Trauung für homosexuelle Paare erarbeitet. Dabei ist man sich nicht überall einig.

Nach «intensiven Gesprächen» haben RefBeJuSo und die drei evangelischen Gemeinschaften Evangelisches Gemeinschaftswerk EGW, Vineyard und die landeskirchliche Gemeinschaft jahu die Stellungnahme «Kirchliche Trauung für alle?» verabschiedet, wie es in einer Medienmitteilung vom 29. April heisst. Dabei blieben «zum Teil starke Differenzen bestehen».

So ist man sich uneinig über die Auslegung der biblischen Aussagen zu Ehe und Homosexualität, wie man der Stellungnahme entnehmen kann. Auch bei der kirchlichen Trauung für homosexuelle Paare gibt es keine gemeinsame Position. Die Beteiligten hätten jedoch versucht, diese Unterschiede «in einer respektvollen Weise zu beschreiben». So wird im Papier betont, bei allen Unterschieden niemandem die Treue zur Bibel absprechen zu wollen.

«Gottes Liebe gilt allen Menschen»

In einigen Punkten sind die Beteiligten aber gleicher Meinung. So hält das Papier fest, dass «Gottes Liebe allen Menschen gilt, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, politischer Einstellung oder sexueller Orientierung». Die Verfasserinnen lehnen jegliche Diskriminierung von gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen ab und sprechen sich dafür aus, «dass die Kirche und die Gemeinschaften einen respektvollen Umgang mit homosexuellen Menschen pflegen und diese Menschen einen Platz in der Gemeinschaft der Glaubenden haben». Ausserdem herrscht Konsens darüber, dass bei der Frage nach der kirchlichen Trauung die Gewissensfreiheit für Pfarrpersonen gewährleistet sein müsse.

Trotz der Differenzen betonen die Beteiligten, dass diese Fragen die Kirchen nicht trennen dürfe. Sie wollten beieinander bleiben und ein «geschwisterliches Miteinander» leben. Auf öffentliche Verurteilungen und Polarisierungen wollen sie verzichten. Ausserdem sollen Gespräche zu der Thematik gefördert werden, möglichst unter Einbezug von homosexuellen Menschen.

Kirchliche Mehrheit für Ehe für alle

Auf staatlicher Ebene hat das Parlament die Ehe für alle bereits beschlossen. Weil das Referendum ergriffen wurde, muss die Stimmbevölkerung nun darüber entscheiden. In der reformierten Kirche hat sich der damalige Schweizerische Evangelische Kirchenbund (heute: Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) dafür ausgesprochen. Er empfahl den reformierten Kantonalkirchen, die kirchliche Trauung auch für homosexuelle Paare zu ermöglichen. In den meisten Kantonalkirchen sind heute Segnungen möglich, ein Teil der Pfarrer und der Mitglieder lehnen diese jedoch ab. (mos)