Poetischer Blick auf ein zerrissenes Land
Politische Unruhen, Wirtschaftskrisen und Korruption haben den Libanon an den Rand des Abgrunds gebracht. Trotzdem hat in dem krisengeschüttelten Land auch die Schönheit ihren Platz. Diese verschiedenen Facetten zeigt der Dokumentarfilm «Tales of the Purple House», der am Filmfestival Locarno mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet wurde.
In der Doku begeben sich der französisch-irakische Regisseur Abbas Fahdel und seine Frau, die libanesische Malerin Nour Ballouk, auf eine Spurensuche durch den Libanon. Der Film eröffne einen «persönlichen und poetischen Blick eines Künstlerehepaares auf ein zerrissenes Land. Gleichzeitig zeigt er, dass das Alltagsleben weitergeht und die Kunst und Schönheit daran teilhaben», begründet die Jury in einer Mitteilung vom 13. August ihren Entscheid.
Eine lobende Erwähnung erhält der Spielfilm «Tengo sueños eléctricos» der französisch-costaricanischen Regisseurin Valentina Maurel. «Der Film begleitet den Weg eines jungen Mädchens in einem familiären Umfeld, das geprägt ist von Brüchen, Gewalt, aber auch von Liebe», schreibt die Jury.
Der Preis der Ökumenischen Jury wird seit 1973 verliehen und ist mit 20‘000 Franken dotiert. Die Jury-Mitglieder werden von den beiden internationalen kirchlichen Filmorganisationen Interfilm und Signis gestellt. Der Hauptpreis des Filmfestivals, der Goldene Leopard, ging an das Drama «Regra 34» der brasilianischen Regisseurin Julia Murat. (no)